Beschwerden wie schwere Beine treten im Sommer besonders häufig auf. Bewegung und Kompression im Alltag können jedoch viel dagegen bewirken. Wer seine Venen regelmässig unterstützt, bewahrt sich die Leichtigkeit des Sommers – Schritt für Schritt, federleicht und entspannt.
Der Sommermorgen fühlt sich leicht und unbeschwert an: ein luftiges Sommerkleid, die Lieblingssandalen an den Füssen. Doch nach einem langen Tag wirken die Beine schwer und müde, die Knöchel sind geschwollen, Socken oder Sandalenriemchen hinterlassen Abdrücke auf der Haut – für viele ein bekanntes Gefühl. Dahinter kann aber mehr stecken als ein anstrengender Tag: Es könnte eine beginnende Venenschwäche sein.
Wie entsteht eine Venenschwäche?
Venen sind Schwerarbeiter, vor allem die Beinvenen. Über die Venen wird das Blut gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen transportiert. «Dabei wirken die Wadenmuskeln wie eine Pumpe. In den Venen befinden sich Klappen, die sich bei der Muskelanspannung öffnen, damit das Blut nach oben transportiert wird, und sich danach wieder schliessen», erläutert Karin Rothenbühler, Apothekerin und Co-Betriebsleiterin. Funktionieren diese Mechanismen nicht optimal, staut sich das Blut in den Beinen, Flüssigkeit tritt ins umliegende Gewebe über und es entstehen Spannungsgefühle und Schwellungen. Die Beschwerden reichen von müden Beinen über Krämpfe bis hin zu Veränderungen wie Besenreisern oder Krampfadern.
Häufige Auslöser
Mehrere Faktoren begünstigen eine Venenschwäche: Häufig besteht eine genetische Veranlagung zu schwachen Venenwänden im Sinne einer Bindegewebsschwäche. Frauen sind häufiger betroffen. Alter, Übergewicht und hormonelle Einflüsse spielen eine Rolle – etwa in der Schwangerschaft, wenn mehr Blut im Körper zirkuliert, sich mehr Flüssigkeit im Körper ansammelt und man sich weniger bewegt. Hinzu kommen Lebensstilfaktoren: Langes Sitzen oder Stehen, Bewegungsmangel, hohe Temperaturen, enge Kleidung, hohe Absätze, Rauchen oder Alkohol belasten die Venen zusätzlich.
Gerade im Sommer verstärken sich die Beschwerden. «Bei hohen Temperaturen weiten sich die Blutgefässe, damit der Körper Wärme abgeben kann. Dadurch schliessen die Venenklappen weniger gut, das Blut wird weniger effektiv zum Herzen gepumpt, fliesst zurück und kann sich in den Beinen stauen», so die Expertin. Kommt hinzu: Flüssigkeitsmangel kann die Durchblutung beeinträchtigen und die Venen zusätzlich belasten.
Anzeichen erkennen
Venenschwäche entwickelt sich schleichend. In der Regel sind beide Beine betroffen:
• Beine fühlen sich abends müde und schwer an
• Schwellungen an Füssen und Knöcheln mit
Abdrücken von Socken
• nächtliche Krämpfe sowie unruhige Beine
• sichtbare Veränderung wie Besenreiser, Krampfadern oder später sogar bräunliche Hautverfärbungen im Knöchelbereich
«Besenreiser sind ein Hinweis darauf, dass die feinen Venengefässe erweitert sind und der Rückfluss nicht optimal funktioniert. Sie bleiben oft harmlos, können aber ein erstes Anzeichen für eine spätere Venenerkrankung wie Krampfadern sein», betont die Apothekerin. Besenreiser und Krampfadern werden oft als kosmetisches Problem empfunden. Tatsächlich lohnt es sich, genauer hinzuschauen – vor allem, wenn weitere Beschwerden dazukommen.
Tipps zur Vorbeugung
• Regelmässig bewegen: Gehen, kurze Spaziergänge, Treppensteigen statt Lift. Auch im Alltag oder Büro die Beine zwischendurch bewegen.
• Venengymnastik: Die Wadenmuskelpumpe aktivieren, zum Beispiel mit Zehen-Fersen-Wippen, Fusskreisen oder Wadenheben.
• Beine hochlagern: Mehrmals täglich, besonders abends, die Füsse über Herzhöhe lagern, um den Rückfluss zu erleichtern.
• Ernährung und Flüssigkeit: Ausgewogen essen, ausreichend trinken und ein stabiles Körpergewicht anstreben.
• Rauchstopp und Alkohol reduzieren: Beides belastet die Gefässe und verschlechtert die Durchblutung.
• Keine enge Kleidung tragen: Enge Hosen, Strümpfe oder drückende Schuhe können den Blutfluss behindern.
• Beine kühl halten: Kalte Beinduschen oder Kneipp-Güsse vom Fuss in Richtung Herz unterstützen die Gefässspannung.
• Auf Reisen: Langes Sitzen vermeiden, regelmässig aufstehen und bewegen; bei Bedarf Kompressionsstrümpfe verwenden.
Kühlung und Kompression
Schwere Beine in den Sommermonaten sind weitverbreitet. «Treten die Beschwerden nur bei Hitze auf und verschwinden sie durch Hochlagern oder über Nacht, besteht meist kein Grund zur Sorge», sagt Karin Rothenbühler. Sie rät dazu, genügend zu trinken, zwischendurch die Beine hochzulagern und Bewegung in den Alltag einzubauen. Auch im Büro helfen kleine Übungen wie Füsse wippen oder kreisen.
Zur Basisbehandlung gehört die Kompression: Kompressionsstrümpfe oder Verbände üben Druck auf die Venen aus, unterstützen die Venenklappen und reduzieren Schwellungen (siehe Infobox). Zudem können kühlende Gels mit Weinlaub oder Mäusedornextrakt Linderung verschaffen. Sie enthalten Flavonoide, welche die Venenwände stärken. Wer unter stärkeren oder länger andauernden Beschwerden leidet, kann auf pflanzliche Arzneimittel in Tablettenform zur Einnahme zurückgreifen, die Fachpersonen beraten Sie hierzu gerne. Ein weiterer Tipp: «Venengels im Kühlschrank aufbewahren, kalt auftragen und Beine dabei hochlagern. Durch die Kälte ziehen sich die Gefässe zusammen und das Blut kann besser zurückfliessen.»
In ausgeprägten Fällen – etwa, wenn die Kompressionstherapie nicht wirkt – kommen medizinische Verfahren wie Verödungen oder Verklebungen von krankhaften Venen infrage.
Wann ärztlich abklären lassen?
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn Beschwerden häufig auftreten, stärker werden, nach Hochlagern nicht abklingen oder bereits Hautveränderungen sichtbar sind. Mit einer speziellen Ultraschall-Untersuchung lässt sich der Blutfluss in den Venen überprüfen und feststellen, ob Klappen noch richtig arbeiten. So lässt sich frühzeitig entscheiden, ob einfache Massnahmen ausreichen oder ob eine weitergehende Behandlung sinnvoll ist.
Achtung: Ist nur ein Bein betroffen und zudem gerötet, geschwollen, überwärmt und schmerzt? Das deutet auf eine mögliche Thrombose hin und erfordert eine notfallmässige medizinische Abklärung.
Venenschwäche oder Lipödem?
«Bei einer Venenschwäche staut sich das Blut vor allem in Füssen und Unterschenkeln. Typisch sind ein Schwere- oder Spannungsgefühl, das sich durch Hochlagern oder Kompression bessert», ergänzt Karin Rothenbühler. Ein Lipödem hingegen ist eine Fettverteilungsstörung. Die betroffenen Stellen – meist an Oberschenkeln oder Armen – sind dauerhaft schmerzhaft und druckempfindlich.