Haarausfall

Ratgeber / Gesundheit

Haarverlust: Warnsignal für die Gesundheit?

24.03.2026 / von 

Solange die Haarwurzel gesund bleibt, erneuert sich jedes Haar immer wieder. Hormone, Ernährung, Stress oder Krankheiten können den Zyklus beeinflussen und vermehrten Haarausfall begünstigen.

Es ist ein Moment, der viele erschreckt: Beim Kämmen bleibt plötzlich mehr Haar in der Bürste hängen. Unter der Dusche sammelt sich ein kleines Knäuel. Und sieht der Scheitel nicht irgendwie ausgedünnt aus? Haare sind etwas sehr Persönliches. «Viele fühlen sich mit ihren Haaren emotional verbunden», sagt Simone Nussbaumer, Apothekerin und Co-Betriebsleiterin. «Sie stehen für Schönheit, Jugendlichkeit und auch Gesundheit.» Kein Wunder, taucht bei jedem Haar in der Bürste die Frage auf: Ist das noch normal – oder verliere ich zu viele?

Tatsächlich verliert jeder Mensch täglich Haare. Bis zu 100 Haare sind normal, diese Menge gehört zum natürlichen Zyklus des Haarwachstums. «Nicht jedes ausgefallene Haar ist ein Alarmzeichen», erklärt die Apothekerin. «Der Körper kann am ehesten auf Haare verzichten. Ist er gestresst, geschwächt oder krank, spart er Energie – und das merkt man dann am Haarwuchs beziehungsweise -ausfall.»

Die häufigsten Auslöser für Haarverlust

Haare reagieren sensibel auf das, was in unserem Leben passiert. Stress, Schlafmangel oder eine unausgewogene Ernährung können reichen, um den Haarwurzeln die Energie zu rauben. Hinzu kommen weitere mögliche Gründe:

• Nährstoffmangel kann dem Haar die Grundlage entziehen, besonders ein Mangel an Eisen, Eiweiss, Zink oder den Vitaminen A, B, C und D.

• Genetische Veranlagung oder hormonelle Veränderungen verändern die Aktivität der Haarwurzel – etwa in der Schwangerschaft, im Wochenbett oder in den Wechseljahren.

• Stoffwechsel- oder Autoimmunerkrankungen sowie Infektionen können Haarausfall verstärken.

• Falsche Pflege oder mechanische Belastung wie häufiges Waschen, aggressive Produkte, starke Föhnhitze oder straffe Frisuren strapazieren Haare und Kopfhaut.

Manchmal kommen mehrere Faktoren zusammen. «Wichtig ist, zuerst nach der Ursache zu suchen und diese zu beheben. Solange sie besteht, wird der Haarausfall weitergehen», betont die Expertin. Kritisch wird es, wenn kahle Stellen entstehen oder über Wochen deutlich mehr Haare ausfallen. Dann kann der Haarverlust ein mögliches Krankheitszeichen sein und sollte abgeklärt werden.

Genetisch, kreisrund oder diffus?

Genetisch bedingter Haarausfall entwickelt sich langsam – und belastet viele, weil er nicht unbemerkt bleibt. Bei vielen Männern lichten sich Stirn und Scheitel über Jahre. Auch Frauen können betroffen sein. Eine Rolle spielt das Hormon Dihydrotestosteron, ein Abbauprodukt des Testosterons: Es lässt Haarfollikel schrumpfen, Haare werden dünner und fallen später aus. Das kann zur Glatze führen.

Beim kreisrunden Haarausfall entstehen plötzlich runde, glatte kahle Stellen. Vermutet wird eine Fehlreaktion des Immunsystems. Auch Stress oder Infekte können eine Rolle spielen. Männer und Frauen sind gleichermassen betroffen. «Ob Haare wieder nachwachsen, hängt stark vom Auslöser ab», erklärt Simone Nussbaumer. «Auf ärztliche Verordnung kann eine Therapie mit einer Kortisonsalbe versucht werden.»

Beim diffusen Haarausfall dünnt das Haar am ganzen Kopf aus. Häufige Ursachen sind Stress, Infekte, Medikamente oder hormonelle Schwankungen, ebenso spielen normale Alterungsprozesse eine Rolle.

Kommt das Haar zurück?

In vielen Fällen lautet die Antwort: ja. Besonders bei diffusem und stressbedingtem Haarausfall. «Solange die Haarwurzel nicht dauerhaft geschädigt ist, kann sie sich regenerieren», sagt Simone Nussbauer. Aber die Haare brauchen Zeit und Geduld. «Das Haar wächst langsam – etwa einen Zentimeter pro Monat. Sichtbare Verbesserungen dauern Wochen oder Monate.»

Innen nähren, aussen aktivieren

Als wichtigste Massnahme gilt: die Ursache anpacken. Dann lohnt es sich, die Haarwurzeln zu stärken – und den Körper gut zu versorgen, etwa mit Eisen, Eiweiss und Vitaminen. «Produkte mit Biotin, Cystin oder pflanzlichen Extrakten wie Hirse und Weizenkeim können die Haarwurzel zusätzlich stärken und die Haare werden besser verankert», weiss die Apothekerin. Gleichzeitig gibt es äusserliche Anwendungen wie ein durchblutungsförderndes Kopffluid oder Serum. «Auf die trockene Kopfhaut aufgetragen und sanft einmassiert, verbessern sie die Durchblutung und die Nährstoffversorgung der Haarwurzel.» Shampoos und Produkte, die man ausspült, sind weniger wirksam, weil sie nur kurz einwirken.

Als weitere Massnahme kann eine Behandlung mit dem Wirkstoff Minoxidil sinnvoll sein. Minoxidil wird äusserlich angewendet und regt das Haarwachstum an. Wichtig zu wissen: Die Behandlung muss konsequent fortgesetzt werden, sonst lässt die Wirkung wieder nach. Eine andere Möglichkeit ist es, das Haar optisch zu verdichten, etwa mit Tönungen, Perücken oder Echthaar-Teilen, die dünneres Haar kaschieren.

Neben all den Massnahmen ist es oft das Einfachste und gleichzeitig Wichtigste, dem Körper Ruhe zu gönnen und auf gute Nährstoffe und sanfte Pflege zu achten. Das danken uns oft auch die Haare – und finden so zu ihrem natürlichen Wachstumsrhythmus nach und nach zurück.

Der Lebenszyklus eines Haares

In der Wachstumsphase, die je nach Haarstruktur und genetischer Veranlagung mehrere Jahre lang sein kann, bildet die Haarwurzel aktiv neue Zellen – das Haar wächst. Rund 80 bis 90 Prozent der Kopfhaare befinden sich gleichzeitig in dieser Phase.

Danach folgt die Übergangsphase von wenigen Wochen: Die Zellproduktion verlangsamt sich, das Haar löst sich langsam aus der Wurzel.

Schliesslich kommt die Ruhephase, in der das Haar nicht weiterwächst, aber noch für etwa zwei bis drei Monate in der Kopfhaut verbleibt, bevor es ausfällt. Erst nach dem Ausfallen kann der Follikel eine neue Wachstumsphase einleiten.