Niesen, Schnupfen, juckende Augen: Allergiker*innen haben es im Frühjahr nicht immer leicht. Wer sein Immunsystem rechtzeitig trainiert, blickt der bevorstehenden Heuschnupfensaison entspannt entgegen.
Noch macht die Natur Winterpause, aber in wenigen Wochen werden die ersten Sträucher und Bäume blühen und die Pollen fliegen. Für viele Menschen ist das ein Grund zur Freude – für andere beginnt dann die Zeit von Nies- und Juckreiz, brennenden Augen und einer laufenden oder verstopften Nase.
Heuschnupfen und andere Allergien, z.B. gegen Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmel, entstehen, weil das Immunsystem harmlose Stoffe fälschlicherweise als Gefahr einstuft. Beim ersten Kontakt mit einem Allergen bildet der Körper spezielle Abwehrstoffe. Kommt er später erneut damit in Berührung, reagiert das Immunsystem. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Mastzellen – eine Gruppe von Immunzellen, die grosse Mengen Histamin speichern. Wird dieses freigesetzt, löst es Entzündungsreaktionen aus: Die Schleimhäute schwellen an, die Nase läuft, die Augen jucken. «Die Beschwerden treten nie beim ersten Kontakt auf, sondern erst wenn das Immunsystem den Stoff kennengelernt und als Bedrohung abgespeichert hat», erklärt Franziska Habegger, eidg. dipl. Drogistin und stv. Betriebsleiterin.
Desensibilisierung: Den Körper angewöhnen
Wie lässt sich vorbeugen? Eine Möglichkeit ist die Desensibilisierung, die ärztlich initiiert und begleitet wird. Dabei handelt es sich um eine medizinische Behandlung, die das Immunsystem schrittweise an Allergene gewöhnt, um allergische Reaktionen zu verringern. «Alternativ gibt es homöopathische Pollenmischungen, die dem Organismus helfen, sich besser auf die Allergiezeit vorzubereiten», erklärt die DROPA Expertin. «So kann man den Körper unterstützen, damit die Symptome deutlich milder ausfallen. Ganz verschwinden lassen kann man die Allergie jedoch nicht.»
Früh beginnen lohnt sich
Wer vorbeugen will, sollte frühzeitig handeln. «Je früher man beginnt, desto besser kann sich der Körper anpassen. Wer zum Beispiel auf Pollen von Birke, Hasel und Erle reagiert, die früh im Jahr fliegen, beginnt idealerweise schon vier bis sechs Wochen vor dem Pollenflug mit der Prophylaxe», empfiehlt Franziska Habegger.
Die Basis: Ein gesunder Darm
Bei der Unterstützung der Immunabwehr spielt die Darmgesundheit eine zentrale Rolle. Im Darm trifft das Immunsystem täglich auf zahlreiche Mikroorganismen und Nahrungsstoffe. Rund 70 bis 80 Prozent der Immunzellen des Körpers befinden sich im Darm. Das Darmmikrobiom trainiert das Immunsystem, um zwischen harmlosen Stoffen (wie Nahrung) und schädlichen Erregern zu unterscheiden. Es wird durch eine intakte Schleimschicht (Mukus) und nützliche Darmbakterien aufrechterhalten. «Wenn der Darm in Balance ist, reagiert der Körper insgesamt weniger stark auf Reize», sagt die Drogistin.
Eine vielseitige, ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen unterstützt das Mikrobiom. Zusätzlich können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, denn bestimmte Vitamine und Spurenelemente können gezielt mithelfen, das Immunsystem zu stabilisieren: Vitamin C sowie B-Vitamine sind an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zink und Vitamin D tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei. Omega-3-Fettsäuren gelten als entzündungshemmend. Franziska Habegger ergänzt: «Auch Probiotika und präbiotische Ballaststoffe können das Darmmikrobiom stärken und ins Gleichgewicht bringen.»
Bewegung, Schlaf und weniger Stress
Neben Ernährung und Supplementen spielt auch der Lebensstil eine Rolle. Genügend Schlaf, regelmässige Bewegung und gezielter Stressabbau helfen, das Immunsystem zu regulieren. Kleine Auszeiten im Alltag können ebenfalls dazu beitragen, dass der Körper zur Ruhe kommt.
Pflanzliche Hilfe – auch in der akuteren Phase
Bereits vor dem Start der Pollensaison (idealerweise vier bis sechs Wochen vor der Heuschnupfensaison) empfiehlt es sich, Schwarzkümmelöl – etwa in Form von Kapseln – einzunehmen, denn es reduziert die Freisetzung von Histamin. «Schwarzkümmelöl wird seit Langem als pflanzliches Mittel gegen Allergien eingesetzt», so die Drogistin. «Es kann die Zellmembranen stabilisieren und so die Ausschüttung von Histamin reduzieren.» Tabletten mit Pestwurz-Extrakten wiederum haben eine ähnliche Wirkung wie Antihistaminika – jedoch meist ohne Nebenwirkungen wie Müdigkeit. Sie werden oft eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern.
Das Wichtigste: Rechtzeitig anfangen
Allergieprophylaxe ist kein Sprint, sondern ein Prozess. Mit einer Anpassung des Lebensstils und etwas Unterstützung aus der Natur lassen sich Niesen, tränende Augen und Juckreiz zumindest abmildern.
Heuschnupfen oder Erkältung?
Während sich eine Erkältung meist schleichend ankündigt – etwa mit leichtem Halskratzen –, beginnt Heuschnupfen meist plötzlich nach dem Kontakt mit Pollen. Auch der Verlauf unterscheidet sich: Eine Erkältung klingt in der Regel nach etwa einer Woche ab, während Heuschnupfen über die gesamte Blütezeit anhält.
Symptome bei beiden Erkrankungen:
Laufende oder verstopfte Nase, rote, tränende Augen und Abgeschlagenheit.
Typisch für Heuschnupfen:
Klares, wässriges Nasensekret, juckende Augen und Nase, Niesattacken sowie saisonale Beschwerden, die länger als 10 Tage andauern.
Typisch für Erkältung:
Dickflüssiges, gelbliches Sekret, Halsschmerzen, Husten, leichtes Fieber, gelegentlich Kopf- oder Gliederschmerzen.