Herz

Ratgeber / Gesundheit

Herzgesundheit: Ein Leben lang im Rhythmus

24.08.2026 / von 

Tag für Tag schlägt unser Herz rund 100’000-mal – meist unbemerkt. Erst wenn es aus dem Takt gerät, wird uns bewusst, wie zentral es für unser Leben ist. Umso wichtiger ist es, die Herzgesundheit zu verstehen und zu schützen.

Unser Herz arbeitet pausenlos, ohne dass wir darüber nachdenken – ein Leben lang, Tag und Nacht. Es hält uns am Laufen, versorgt jede Zelle mit Energie und reagiert auf alles, was wir erleben: auf Bewegung, Stress, Freude oder Ruhe.

Das Herz ist ein Muskel, etwa so gross wie eine Faust, und liegt gut geschützt im Brustkorb zwischen den Lungen, leicht nach links versetzt. Es ist das Zentrum unseres Kreislaufsystems und arbeitet unermüdlich als Pumpe, die den ganzen Körper mit Blut versorgt.

Vom Vorhof in die Kammer

Im Innern ist das Herz in vier Räume unterteilt: zwei kleinere Vorhöfe und zwei kräftigere Herzkammern. Die Vorhöfe nehmen das Blut aus dem Kreislauf auf und geben es an die Herzkammern weiter. Von den Herzkammern wird das Blut in den Körperkreislauf oder den Lungenkreislauf gepumpt. Damit das Blut in die richtige Richtung fliesst, hat es an den Übergängen Herzklappen, die den Rückfluss verhindern. Die beiden Herzhälften übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben: Die rechte Herzhälfte nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper auf und pumpt es in die Lunge, wo es mit frischem Sauerstoff angereichert wird. Die linke Herzhälfte nimmt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge auf und pumpt es in den gesamten Körper. Im Körper gibt das sauerstoffreiche Blut Sauerstoff und Nährstoffe an die Zellen ab und nimmt Kohlendioxid auf. Anschliessend fliesst das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen – und der Kreislauf beginnt von vorne. So sorgt das Herz dafür, dass die Zellen kontinuierlich versorgt werden.

Unbemerkte Risikofaktoren

Doch dieses fein abgestimmte System ist anfällig – vor allem durch unseren Lebensstil. Viele Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über Jahre hinweg. Unser Alltag hat sich stark verändert: Wir bewegen uns oft weniger, sitzen mehr und stehen häufiger unter Druck. Das wirkt sich direkt auf die Herzgesundheit aus. Ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol oder anhaltender Stress erhöhen das Risiko für Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes und Übergewicht – und damit auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese Risikofaktoren bleiben oft lange unbemerkt, können aber im Hintergrund Herz und Blutgefässe schädigen und begünstigen die Entstehung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Folgen reichen von verengten Herzkranzgefässen bis zu akuten Notfällen wie Herzinfarkt. Bei verengten Herzkranzgefässen wird der Herzmuskel schlechter mit Sauerstoff versorgt. Verschliesst sich ein Gefäss plötzlich vollständig, spricht man von einem Herzinfarkt. Weitere häufige Erkrankungen sind Herzrhythmusstörungen oder die sogenannte Herzinsuffizienz, bei der das Herz an Kraft verliert und den Körper nicht mehr genügend versorgen kann.

Unterschiedliche Warnzeichen

Besonders wichtig ist es, die Warnzeichen eines Herzinfarkts zu kennen. Fachorganisationen wie die Schweizerische Herzstiftung weisen darauf hin, dass sich die Symptome bei Männern und Frauen unterschiedlich zeigen können. Männer verspüren häufig einen starken Druck oder Schmerzen in der Brust, die bis in Arme, Rücken oder Kiefer ausstrahlen können – oft begleitet von Atemnot, Übelkeit oder Schweissausbrüchen. Bei Frauen zeigen sich Herzinfarkte dagegen oft weniger eindeutig: Typisch sind ungewöhnliche Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit oder Schmerzen im Rücken, Nacken oder Oberbauch.

Fachleute weisen zudem darauf hin, dass Herzinfarkte bei Frauen häufig später erkannt werden, weil die Symptome weniger typisch sind. Umso wichtiger ist es, auf den eigenen Körper zu hören und Veränderungen ernst zu nehmen.

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Der Schlüssel zur Herzgesundheit

Die gute Nachricht: Viele dieser Risiken lassen sich aktiv beeinflussen. Wer sein Herz schützt, kann viel dazu beitragen, langfristig gesund zu bleiben. Eine zentrale Rolle spielt die Ernährung. Eine herzfreundliche Kost basiert auf viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten sowie einer ausreichenden Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren in Form von Nüssen, Samen, fettem Fisch oder pflanzlichen Ölen. Diese liefern wichtige Nährstoffe und unterstützen den Körper dabei, Blutdruck und Cholesterin im Gleichgewicht zu halten. Zucker und Salz sollten nur in Massen konsumiert werden.

Ebenso wichtig ist regelmässige Bewegung. Fachleute empfehlen pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung, wie zügiges Spazieren, Velofahren oder Schwimmen. Alternativ sind auch 75 bis 150 Minuten intensivere Aktivität möglich. Bewegung stärkt das Herz, verbessert die Durchblutung und hilft, Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Übergewicht zu reduzieren.

Insgesamt hat der Lebensstil einen grossen Einfluss. Rauchen gehört zu den grössten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter. Ebenso wichtig ist ein bewusster Umgang mit Stress. Wer regelmässig Pausen einlegt, für ausreichend Schlaf sorgt und sich Zeit für Erholung nimmt, entlastet das Herz spürbar. Nicht zuletzt helfen regelmässige Gesundheitschecks, Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Messung der Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte wie beispielsweise Cholesterin geben wichtige Hinweise über die Herzgesundheit und können bei Bedarf gezielt behandelt werden. So lässt sich das eigene Risiko Schritt für Schritt senken – und das Herz langfristig stärken.

Weltherztag

Am 29. September findet jährlich weltweit der Weltherztag statt. Organisationen in über 100 Ländern beteiligen sich und informieren über die Bedeutung der Herzgesundheit sowie über Risiken und Präventionsmöglichkeiten. Der Weltherztag erinnert daran, wie wichtig Bewegung, ausgewogene Ernährung und regelmässige Vorsorge für ein gesundes Herz sind.

Unterstützung aus der Natur

Besonders bekannt ist Weissdorn: Die Heilpflanze fördert die Durchblutung der Herzkranzgefässe, stärkt den Herzmuskel und kann helfen, den Blutdruck zu regulieren. Lesen Sie dazu auch das Naturporträt auf Seite 21. Omega-3-Fettsäuren, etwa aus Leinöl oder fettreichem Fisch, können die Blutfettwerte positiv beeinflussen und die Fliessfähigkeit des Blutes verbessern. Auch schwarzer Knoblauch sowie pflanzliche Bitterstoffe – etwa aus Artischocken oder Löwenzahn – werden traditionell zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt.

Wichtig zu wissen: Natürliche Mittel können eine gesunde Lebensweise sinnvoll ergänzen, ersetzen aber keine medizinische Behandlung. Eine fachkundige Beratung hilft, passende Produkte zu finden.

Sibylle Renggli
Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschränken sich nicht nur auf das Herz.

Sibylle Renggli

Apothekerin und Co-Betriebsleiterin

Mit welchen Herzbeschwerden kommen Kundinnen und Kunden in die Apotheke?

Häufig kommen Menschen zu uns, weil sie ihr Herz plötzlich stärker wahrnehmen – etwa durch spürbares Herzklopfen oder einen unruhigen Puls und damit verbundener innerer Unruhe. Auch Fragen rund um den Blutdruck oder Kreislaufbeschwerden beschäftigen viele.

Welche Warnzeichen sollte man ernst nehmen?

Heftige Schmerzen oder Enge in der Brust, zusammen mit Atemnot, Schweissausbrüchen, Angst, Unwohlsein oder Schwindel, können auf einen Herzinfarkt hindeuten und sollten sofort ärztlich behandelt werden. Auch starke, unerklärliche Erschöpfung oder Schwellungen in den Beinen können Warnzeichen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung sein. Wenn die Herzbeschwerden immer wieder auftreten oder auch in Ruhephasen spürbar sind, sollte man diese ebenfalls ärztlich abklären lassen.

Welche pflanzlichen Mittel empfehlen Sie?

Bei leichten oder nervösen Herzbeschwerden können pflanzliche Präparate mit Weissdorn oder individuell abgestimmte spagyrische Mischungen eingesetzt werden. Dabei beachten wir immer die gesamte Situation der Kundin oder des Kunden. Bei auffälligen oder akuten Beschwerden raten wir unbedingt zu einer ärztlichen Abklärung.

Was wird bei der Herzgesundheit oft unterschätzt?

Viele Faktoren wie zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Stress, Übergewicht oder Hormone beeinflussen die Herzgesundheit und damit das Herz-Kreislauf-System. Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschränken sich nicht nur auf das Herz, sondern können auch Auswirkungen auf Gehirn, Nieren oder Augen haben. Deshalb lohnt es sich, in der Apotheke den Blutdruck sowie die Cholesterin- und Blutzuckerwerte kontrollieren zu lassen.