Was durch unsere Adern fliesst, versorgt uns nicht nur mit Sauerstoff. Blut transportiert auch die Nähr-, Boten- und Abwehrstoffe, die für unsere Gesundheit und unser gesamtes Wohlbefinden sorgen.
Wird eine Blutprobe zentrifugiert, so trennen sich deren Bestandteile in zwei Phasen auf. Die festen Bestandteile machen rund 42 Prozent des Blutes aus. Der flüssige Rest, das Plasma, besteht grösstenteils aus Wasser und zu rund einem Zehntel aus Proteinen, Hormonen, Enzymen sowie Harn- und weiteren Stoffen. Zu den festen Bestandteilen im Blut zählen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weissen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Im Körper eines erwachsenen, 70 kg schweren Menschen fliessen rund 5 bis 6 Liter Blut. Über die Blutgefässe erreicht das Blut jeden noch so kleinen Winkel des Körpers.
Die To-do-Liste des Blutes
Der rote Lebensstrom übernimmt komplexe Aufgaben: Blut transportiert einerseits Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen und andererseits Kohlendioxid und Stoffwechselabfallprodukte wieder von den Zellen ab. Zudem «schwimmen» auch Hormone (Botenstoffe) im Blut und tragen Informationen an die Zellen und Organe weiter. Ebenso transportiert es Zellen des Immunsystems, die etwa bei Infekten zum Einsatz kommen. Der Blutkreislauf sorgt zudem dafür, dass die in Leber und Muskeln gebildete Wärme im ganzen Körper verteilt wird und dass die Körpertemperatur von rund 37 Grad aufrechterhalten wird. Schliesslich ist das Blut auch beim Ausgleich von Schwankungen des inneren pH-Werts beteiligt und stellt sicher, dass der Säure-Basen-Haushalt ausgeglichen ist.
Die roten Blutkörperchen bilden mit 99 Prozent den grössten Volumenanteil der festen Bestandteile. Sie haben die Form von in der Mitte eingedellten Scheibchen und sind unvorstellbar klein: Der Durchmesser misst etwa 7,5 Tausendstelmillimeter und der Rand ist nur etwa 2 Tausendstelmillimeter dick. Da sie stark verformbar sind, können rote Blutkörperchen selbst die feinsten Haargefässe passieren. Rot gefärbt sind die Erythrozyten, weil sie das eisenhaltige Eiweiss Hämoglobin enthalten. Dieses ist für den Sauerstoff- und Kohlendioxid-Transport zuständig. Nur 10 Prozent der im Körper vorhandenen weissen Blutkörperchen zirkulieren im Blut, da sie dieses nur als «Autobahn» zwischen ihren Produktionsstätten und dem Gewebe nutzen. Dort kämpfen sie gegen Fremdstoffe, Krankheitserreger und Entzündungen.
Wie die roten und weissen Blutkörperchen reifen auch die Blutplättchen im Knochenmark heran. Zwar sind sie dreimal kleiner als die roten Blutkörperchen, dennoch enorm wichtig. Selbst kleinste Gefässverletzungen im Körper dichten die Blutplättchen von innen ab und verhindern so – bis zu einem gewissen Grad – äussere und innere Blutungen.
Das Blutgruppen-AB0
Erst im Jahr 1900 entdeckte der österreichische Wissenschaftler Karl Landsteiner die Ursache tödlicher Folgen bei Bluttransfusionen: Jeder Mensch gehört genetisch einer der vier Blutgruppen an: A, B, AB oder 0. Die Buchstaben und die Null bezeichnen bestimmte Merkmale auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Dort befinden sich je nachdem Antigene, also Oberflächenproteine (Eiweissstoffe). Die roten Blutkörperchen der Blutgruppe A haben A-Antigene auf ihrer Oberfläche. Menschen mit B haben Antigene der Gruppe B, wieder andere haben Antigene von beiden Blutgruppen (AB) und die vierte Gruppe (0) hat gar keine Antigene. Diese Merkmale führen bei einer Bluttransfusion mit falscher Blutgruppe zu einer starken Immunreaktion. Im Blut der Gruppe A zum Beispiel befinden sich im Plasma Antikörper der Gruppe B. Würde ein Mensch der Blutgruppe A eine Blutspende der Gruppe B erhalten, würden sich die Antikörper B mit den Antigenen B verbinden. Das Blut würde verklumpen, was tödlich enden kann. Menschen mit Blutgruppe AB hingegen haben keine Antikörper im Plasma. Deshalb kann bei einer Transfusion mit fremdem Blut nichts verklumpen. Das macht sie zu idealen Blutempfängern, da ihr Blut mit allen Blutgruppen kompatibel ist. Umgekehrt kann das Blut der Gruppe 0 allen Menschen gespendet werden, da auf deren Blutkörperchen keine Antigene sitzen.
Zusätzlich zum AB0-System gibt es auch das Rhesus-System. Dabei wird untersucht, ob die roten Blutkörperchen noch ein weiteres wichtiges Eiweiss, das Oberflächenprotein D, aufweisen. Wenn ja, ist man Rhesus-positiv – das sind in Mitteleuropa 85% der Bevölkerung. Wenn nicht, gehört man der Rhesus-negativ-Gruppe an (z.B. A+ oder A-). Der Rhesus-Faktor ist für Rhesus-negative Schwangere von besonderer Bedeutung. Hat das ungeborene Kind einen positiven Rhesus-Faktor, kann die Mutter Antikörper gegen das Blut des Ungeborenen bilden, was bei einer nächsten Schwangerschaft zu einer Unverträglichkeit führen kann. Mittels prophylaktischer Behandlung kann man dies heutzutage verhindern.
Bin ich gesund? Was Bluttests verraten
Für die Blutabnahme einen Nadelstich in den Finger oder in die Armbeuge – das haben wir alle schon bei einem Arztbesuch erlebt. Tatsächlich kann eine Blutprobe einiges über den Gesundheitszustand aussagen. Zum Beispiel, dass nichts Auffälliges entdeckt wurde oder dass gewisse Werte eine Änderung der Lebens- und Ernährungsweise nahelegen. Das sogenannte Blutbild gibt Auskunft über die Zusammensetzung der Blutzellen. Ebenso können viele weitere Parameter wie Blutfettwerte (darunter Cholesterin), Glucose (Blutzucker), HbA1c (Langzeitblutzucker) oder CRP (Entzündungswert) über eine Blutanalyse bestimmt werden. Auch über den Eisen-, Vitamin- und Hormonhaushalt oder die Nieren- und Lebergesundheit geben Bluttests Aufschluss. Je nachdem, welche Beschwerden und Symptome vorhanden sind, wird die Ärztin oder der Arzt einen Bluttest mit dem entsprechenden Fokus veranlassen.
Blut spenden, Leben retten!
Ein schwerer Unfall, eine lange OP – und schon ist man auf Blutkonserven angewiesen. In der Schweiz werden täglich ca. 700 Blutspenden benötigt. Da die Lagerungszeit von Blut begrenzt ist, braucht es regelmässig Spenden. Der Blutbarometer auf der Website von Blutspende SRK Schweiz zeigt den aktuellen Stand der Vorräte nach Blutgruppen. Dort stehen auch Infos rund ums Blutspenden sowie die Adressen der regionalen Blutspendezentren. Alle Blutspenden werden auf Infektionen getestet. Nach der ersten Spende wird einige Wochen später ein Spenderausweis mit Blutgruppe und Rhesusfaktor zugeschickt, sofern alle Infektionstests – auch HIV, Hepatitis und Syphilis – negativ waren. Bei positiven Resultaten nimmt eine Ärztin oder ein Arzt Kontakt mit den Betroffenen auf.
Blutgesundheit erhalten
Bewegung ist für jeden Aspekt unserer Gesundheit zentral – auch für die Blutgesundheit. Wer sich bewegt, hält seinen Blutkreislauf in Schuss, damit der Körper effizient mit Vitalstoffen versorgt wird. Vitamine und Mineralstoffe sind zentral für die Produktion von Erythrozyten. Bei der Ernährung ist deshalb auf viel Obst und Gemüse zu achten. Wer zu viele tierische Fette zu sich nimmt, riskiert saure pH-Werte im Blut – mit negativen Folgen für die Gesundheit. Dasselbe gilt für übermässigen Konsum von Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Erfahren Sie hier, welche Gesundheitschecks in unseren Apotheken und Drogerien angeboten werden, darunter etwa die Blutdruck- und die Blutzuckermessung.

Eva-Maria Franz
Apothekerin und Geschäftsinhaberin
Was fördert die Blutqualität?
Eisen ist ein zentraler Baustein für die Bildung von Hämoglobin. Eisenmangel kann zu Anämie (Blutarmut) führen. Rotes Fleisch und Innereien sowie frischer Spinat, Linsen, Kürbiskerne und Sesamsamen sind reich an Eisen, um nur eine Auswahl zu nennen. Vitamin C unterstützt die Eisenaufnahme und hilft, Eisen aus pflanzlicher Nahrung besser aufzunehmen. Omega-3-Fettsäuren, wie sie in Lachs, Makrele, Walnüssen oder Leinsamen vorkommen, sind nicht nur gut für das Herz, sondern auch für die Fliesseigenschaften des Blutes. Sie wirken entzündungshemmend und schützen die Gefässe vor Ablagerungen.
Warum soll man genügend trinken?
Blut besteht zu etwa 50 Prozent aus Wasser. Ein Flüssigkeitsmangel kann das Blut dickflüssiger machen, was die Durchblutung erschwert und das Risiko für Thrombosen erhöht. Besonders gefährlich wird dies, wenn ohnehin Risikofaktoren wie Bewegungsmangel oder langes Sitzen hinzukommen. Täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser als Getränk helfen, das Blut flüssig zu halten. Wasser und ungesüsster Tee ist Süssgetränken und Kaffee vorzuziehen. Grüner Tee schützt die Gefässe durch seine Antioxidantien.
Welche Beratung bietet die Apotheke zum Thema Blutgesundheit an?
Neben der Blutdruck- und Blutzuckermessung (Glucose) bieten viele Apotheken auch die Bestimmung des Langzeitblutzuckers HbA1c und der Blutfettwerte an, und dies unkompliziert mittels wenig Kapillarblut aus der Fingerbeere. Der Cardio-Check umfasst diese Analysen und gibt unter Einbezug weiterer Faktoren wie Alter und Nikotinkonsum Auskunft über das persönliche Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Je früher allfällige Risikofaktoren erkannt werden, desto besser.