Ratgeber / Gesundheit, Kind & Familie

Das Übel mit der Reisekrankheit

24.06.2020 / von 

Auf dem Land, in der Luft und zu Wasser – die Reisekrankheit kann uns überall treffen. Wieso tritt sie auf und was kann man vorbeugend oder im akuten Fall dagegen unternehmen?

Es kann praktisch jeden treffen, der unterwegs ist, sei es im Auto oder Bus, im Neigezug, in der Seilbahn, im Flugzeug oder im Boot. Die Rede ist von der Reisekrankheit oder Kinetose. «Der Auslöser dafür liegt darin, dass das Gehirn durch die Bewegung des Transportmittels unterschiedliche Signale vom Auge und vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr sowie von Muskeln und Gelenken bekommt», erklärt Helene Strahm, Apothekerin in Uetendorf. Da die Eindrücke dann nicht übereinstimmen, kommt es zu einer Überreizung.

Als Folgen können Unwohlsein, Schwindel, Blässe, Schweissausbrüche und Kopfschmerzen auftreten, manchmal sogar Übelkeit und Erbrechen. «Man kann sich allerdings daran gewöhnen, zum Beispiel auf einer längeren Schiffsreise», führt die Apothekerin aus. «Nach zwei bis fünf Tagen verschwinden in der Regel die Symptome.» Nur, wer möchte so lange durchhalten müssen?

Unwohlsein und Übelkeit vorbeugen

Wer empfindlich auf Fahrzeugschwankungen reagiert, kann vorbeugende Massnahmen treffen. Dazu gehört, dass man mit aufrechter Körperhaltung in Fahrtrichtung sitzt, im Auto selber am Steuer sitzt oder auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, abrupte Kopfbewegungen vermeidet sowie seinen Blick nach vorn auf einen unbeweglichen Punkt in der Ferne richtet. Auch eine ruhige, tiefe Atmung hilft, ebenso der Verzicht auf Alkohol und schweres Essen.

«Als Prophylaxe aus der Drogerie oder Apotheke können Akupressur-Bänder für die Handgelenke, spagyrische Sprays oder Mittel aus der Homöopathie eingesetzt werden», sagt Helene Strahm. Als schulmedizinische Mittel empfiehlt sie spezielle Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika. Diese sind rezeptfrei als Kapseln, Zäpfchen oder in Form von Kaugummis erhältlich. Wichtig ist, dass jeweils die bis zur Wirkung des Medikaments benötigte Zeit beachtet wird und dass man sich bei Fragen von Fachleuten beraten lässt.

Was tun bei Reisekrankheit?

Tritt die Reisekrankheit auf, sollte man nach Möglichkeit eine Pause an der frischen Luft einlegen, sich die Beine vertreten und den Horizont anschauen. Die Augen zu schliessen oder sich ein kaltes Tuch auf Gesicht oder Nacken zu legen, kann ebenfalls eine Besserung bringen. Auch wirkstoffhaltige Kaugummis schaffen innert weniger Minuten Abhilfe.

Ein naturmedizinischer Trick aus alten Zeiten hat sich ebenfalls bewährt: Bereits die Seefahrer wussten, dass das Kauen von frischen Ingwerscheiben den Magen beruhigt. Heutzutage steht als Alternative ein Präparat mit Ingwer in Kapselform zur Verfügung, es wird idealerweise eine Stunde vor der Abreise zur Vorbeugung eingenommen.

Reisekrankheit bei Kindern

Säuglinge und Kleinkinder werden selten reisekrank, da ihr Gleichgewichtssinn noch nicht so stark ausgeprägt ist, Kinder von zwei bis zwölf Jahren hingegen überdurchschnittlich häufig. Hier sollte man besonders gut auf erste Anzeichen wie Schläfrigkeit, Gähnen und Frösteln achten. «Generell gelten dieselben Vorbeugungsmassnahmen wie bei Erwachsenen. Als medikamentöse Mittel werden je nach Alter gerne Zäpfchen und Kaugummis mit Wirkstoffen eingesetzt», sagt Helene Strahm. Auch normale Kaugummis, Nuggis oder Lutscher können helfen, insbesondere, wenn Letztere einen Zitronen- oder Pfefferminzgeschmack haben.

Auch zusätzliche Auslöser sind möglichst zu vermeiden. So eignet sich zur Unterhaltung der Kinder ein Hörspiel besser als ein Buch oder ein Video. Im Auto empfiehlt es sich, viele Pausen einzulegen und nicht zum Seitenfenster hinauszuschauen, sondern geradeaus. Empfindliche Kinder setzt man auf der Rückbank idealerweise in die Mitte.