Bienenstock

Ratgeber / Gesundheit, Naturheilkunde

Apitheriapie: Gesundheit aus dem Bienenstock

24.04.2026 / von 

Die Apitherapie nutzt die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Bienenprodukten wie Honig, Pollen, Propolis oder Gelée Royale zur Vorbeugung und Linderung von Beschwerden.

Apitherapie ist seit mehreren Tausend Jahren bekannt und entwickelte sich aus Heilpraktiken verschiedener Kulturen. Papyrus-Schriften belegen, dass bereits im alten Ägypten (um 3'000 v. Chr.) Honig zur Wundheilung genutzt wurde. Auch der griechische Arzt Hippokrates (ca. 400 v. Chr.) nutzte Honig und Bienengift gegen Entzündungen und Schmerzen. Honig und weitere Bienenprodukte spielten früh eine wichtige Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin sowie im Ayurveda. Im Mittelalter galt Honig als eines der bedeutendsten Heilmittel der Klostermedizin.

Der Begriff «Apitherapie» (aus dem Griechischen: Apis = Biene; Therapeia = Behandlung, Heilung) entstand jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch den ungarisch-amerikanischen Arzt Dr. Bodog F. Beck, der die medizinische Nutzung von Bienenprodukten wissenschaftlich untersuchte und 1935 veröffentlichte. Heute gilt die Apitherapie als naturheilkundliche Methode der Alternativmedizin, die zur Prävention, Linderung und Behandlung von Beschwerden sowie zur Förderung der Gesundheit eingesetzt wird.

Propolis

Propolis ist ein harzartiges Sekret aus Pflanzensäften, Wachsen und Harzen, das Bienen zur Abdichtung und Desinfektion ihres Stocks verwenden. Deshalb wird es auch «Bienenkittharz» genannt. Ihm werden antibakterielle, antivirale, antimykotische, entzündungshemmende, wundheilungsfördernde sowie antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. In der Naturheilkunde wird Propolis häufig bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, zur Wundheilung, gegen Entzündungen aller Art sowie zur Unterstützung des Immunsystems eingesetzt. Es ist in unterschiedlichen Darreichungsformen wie zum Beispiel Sprays, Salben, Tinkturen oder Pastillen erhältlich. Da Propolistinkturen ein gewisses Allergierisiko bergen, sollten Menschen mit einer bekannten Insektengiftallergie sowie Schwangere und Stillende darauf verzichten. Zudem kann es zu Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten kommen. Diese Hinweise gelten nur für Propolistinkturen – der spagyrische Propolis-Spray ist davon nicht betroffen.

Bienenwachs

Bienenwachs ist ein von Bienen produziertes, natürliches Sekret, das dem Bau der Waben dient. Je nach Herkunft und Reinheit unterscheidet es sich in Farbe, Geruch und Konsistenz. Reines Bienenwachs riecht honigartig und ist leicht klebrig. Seit der Antike wird es für Salben, Cremes und Wundauflagen verwendet. In der heutigen Schulmedizin spielt es keine therapeutische Rolle, ist jedoch in der Volksmedizin weiterhin gebräuchlich, etwa bei Gelenkschmerzen oder Verspannungen in Form von Wärmeanwendungen. Dank seiner schützenden Eigenschaften ist Bienenwachs zudem ein wichtiger Bestandteil vieler Kosmetikprodukte. Bienenwachs beeinflusst die Konsistenz von Kosmetikprodukten und wird gerne in Lippenpflegeprodukten mit seinen schützenden und feucht haltenden Eigenschaften eingesetzt.

Gelée Royale

Gelée Royale ist das Drüsensekret der Arbeiterbienen und die ausschliessliche Nahrung der Bienenkönigin. Es wird gerne als «eine der wertvollsten Schätze der Natur» bezeichnet, denn Gelée Royale ist reich an Proteinen, essenziellen Aminosäuren, B-Vitaminen sowie Mineralstoffen und Spurenelementen. Aufgrund der langen Lebensdauer der Königin werden ihm in der Naturheilkunde stärkende und vitalisierende Eigenschaften zugeschrieben. In der Volksheilkunde wird Gelée Royale als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln oder in Trinkampullen eingesetzt, etwa bei Erschöpfung oder Konzentrationsproblemen.

Honig

Honig wird seit jeher als Hausmittel genutzt, wobei sich die medizinische Wirkung je nach Sorte unterscheidet. Besonders bekannt ist Manuka-Honig aus Neuseeland und Australien, der einen hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO) mit stark antibakterieller Wirkung aufweist und bei Husten und Halsschmerzen angewendet werden kann. Medizinischer Honig muss hohen Qualitäts- und Reinheitsstandards entsprechen. Seine Wirksamkeit ist wissenschaftlich gut untersucht, insbesondere in der Wundheilung.

Blütenpollen

Blütenpollen entstehen, wenn Bienen beim Sammeln von Nektar Pollen an ihrem Haarkleid aufnehmen und in den Stock bringen. Ein einzelnes Pollenkorn ist mikroskopisch klein. Erst wenn sie sich zusammenballen, entsteht ein rundes bis ovales, goldgelbes bis braunes Kügelchen. Blütenpollen sind richtige Kraftpakete und enthalten zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme, Mineralien und Spurenelemente sowie pflanzliche Proteine. Aufgrund dieser wertvollen Inhaltsstoffe gelten sie als nährstoffreiche und bekömmliche Nahrungsergänzung und werden häufig als «Superfood» bezeichnet. Eingenommen werden die Blütenpollen entweder pur oder als Zutat im Joghurt, Frühstücksmüesli, Smoothie oder Salat.

Tipps zum Schutz der Bienen

Bienen sind wichtige Bestäuber. Ihr Schutz trägt zur Artenvielfalt und Ernährungssicherheit bei. Deshalb: Es zählt jede Handlung – ohne Bienen kein Essen.

  • Pflanzen Sie auf Balkonen, Terrassen und in Gärten bienenfreundliche Blumen wie Lavendel, Klee, Sonnenblumen oder Kräuter wie Thymian und Salbei an.
  • Verzichten Sie auf Pestizide, denn chemische Spritzmittel töten Bienen. Nutzen Sie stattdessen natürliche Alternativen wie Neemöl oder Nützlinge.
  • Stellen Sie Bienen im Sommer kleine Wasserstellen mit Steinen als Tränke hin.
  • Bringen Sie geeignete Nisthilfen für Wildbienen an.
  • Kaufen Sie lokale Honigprodukte und bevorzugen Sie bienenfreundliche Produkte.
  • Mähen Sie weniger, lassen Sie Wiesen und Grasflächen im Frühjahr und im Sommer wachsen. Blüten sind Bienenfutter.
Ralph Fischer
Bienenprodukte wirken je nach Produkt, Qualität und Darreichungsform sehr unterschiedlich.

Ralph Fischer

Dipl. Drogist HF und Betriebsleiter

Welche Rolle spielt die Beratung bei der Anwendung von Bienenprodukten?

Bienenprodukte wirken je nach Produkt, Qualität und Darreichungsform sehr unterschiedlich. In der Drogerie oder Apotheke beraten wir fachlich kompetent und helfen unserer Kundschaft dabei, das passende Produkt für den jeweiligen Zweck auszuwählen, und klären über eine sichere und wirksame Anwendung auf.

Welche besonderen Vorteile und Eigenschaften können Bienenprodukte haben?

Mit Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Aminosäuren, Proteinen und Mineralstoffen kann zum Beispiel Gelée Royale das allgemeine Wohlbefinden unterstützen. Es wird auch gerne in kosmetischen Produkten verwendet, weil es eine hydratisierende und revitalisierende Wirkung auf die Haut hat.

Worauf gilt es bei der Anwendung der Produkte besonders zu achten?

Da Bienenprodukte bei Menschen mit Pollen- oder Bienengiftallergien allergische Reaktionen auslösen können, kläre ich in der Beratung über diese Risiken auf und empfehle bei Bedarf einen Verträglichkeitstest. Diabetikerinnen und Diabetiker sollten zudem auf den Zuckergehalt achten.

Für welche Personen eignen sich die Produkte nicht?

Nicht geeignet oder nur eingeschränkt geeignet sind Bienenprodukte für Säuglinge und Kleinkinder sowie auf Bienengift allergische Personen. Im Zweifel: zuerst informieren, dann anwenden.