Das vaginale Mikrobiom ist ein kluges Schutzsystem. Es braucht keine intensive Pflege, sondern vor allem gute Bedingungen, damit es im Gleichgewicht bleiben kann.
Das vaginale Mikrobiom besteht aus einer Vielzahl von Mikroorganismen. Den grössten Anteil, etwa 70 bis 90 Prozent, machen Milchsäure produzierende Bakterien aus, sogenannte Laktobazillen. Sie sorgen dafür, dass in der Vagina ein saures Milieu herrscht, in dem sich krankheitserregende Keime nur schlecht vermehren können. Der ideale pH-Wert der Vagina liegt zwischen 3,8 und 4,5.
Dass in der Vagina auch Hefepilze oder unerwünschte Bakterien vorkommen, ist nicht automatisch problematisch. Entscheidend ist das Verhältnis. Solange die nützlichen Milchsäurebakterien dominieren, bleibt die Vaginalflora in Balance. Gerät dieses Gleichgewicht jedoch ins Wanken, können sich Keime stärker vermehren und Beschwerden auslösen.
Warum die Balance kippen kann
Das vaginale Mikrobiom ist sehr sensibel und kann leicht aus der Balance geraten. «Am häufigsten beeinflussen hormonelle Veränderungen während des Zyklus, einer Schwangerschaft oder der Wechseljahre das vaginale Mikrobiom», weiss Susanne Siegrist, dipl. Drogistin HF und Geschäftsinhaberin. Diese sorgen dafür, dass der Anteil an Milchsäurebakterien zurückgeht. «Hinzu kommt, dass Menstruationsblut den pH-Wert der Scheide zusätzlich basischer macht.» Dadurch können sich bereits vorhandene Keime leichter vermehren, was das Risiko für Infektionen kurz nach der Periode erhöht.
Weitere Faktoren können das Gleichgewicht ebenfalls stören: ein geschwächtes Immunsystem, Infekte, Diabetes, Antibiotikatherapien, Chlorwasser im Schwimmbad oder Geschlechtsverkehr. Denn Sperma hat einen anderen pH-Wert als das vaginale Milieu und kann kurzfristig zu einer Verschiebung beitragen. Antibiotika hingegen können nicht nur krankheitserregende Bakterien bekämpfen, sondern auch nützliche Laktobazillen reduzieren.
Wenn frau es mit der Pflege zu gut meint
Ein häufiger Auslöser für Irritationen ist eine übertriebene Intimpflege oder die Verwendung von Produkten, die für das empfindliche Milieu nicht geeignet sind. Die Vagina verfügt über ein Selbstreinigungssystem und muss nicht von innen gereinigt werden. Ein transparenter bis weisslicher, geruchloser Ausfluss ist normal und gehört zum natürlichen Reinigungsvorgang dazu. Die DROPA Expertin beobachtet in der Beratung immer wieder, dass eher zu viel als zu wenig gepflegt wird: «Gerade Frauen, die zu Geruch tendieren, neigen dazu, es mit der Reinigung zu übertreiben oder Intimdeos zu verwenden. Das empfehle ich nicht, da dies das natürliche Gleichgewicht stören und zu Beschwerden führen und die Beschwerden sogar verschlimmern kann.»
Monatshygiene: Verträgliche Produkte
Während der Menstruation ist das vaginale Milieu besonders gefordert. Tampons sind zwar praktisch, können bei empfindlichen Schleimhäuten aber austrocknend wirken. «Zudem sind sie häufig gebleicht, was die Vaginalflora negativ beeinflussen kann», ergänzt die Drogistin. Frauen, die während oder nach der Menstruation unter Beschwerden leiden, können Alternativen ausprobieren: Menstruationstassen oder -scheiben aus Silikon fangen das Blut auf, statt es aufzusaugen. Auch das Tragen von Periodenunterwäsche, die das Menstruationsblut sicher aufsaugt, ist eine gute Alternative. Wichtig ist, das gewählte Produkt hygienisch anzuwenden und regelmässig zu wechseln und zu reinigen.
Anzeichen für ein gestörtes Milieu
Ein Ungleichgewicht im vaginalen Mikrobiom kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Anzeichen sind oft Juckreiz, Brennen, geschwollene Schamlippen oder ein veränderter Ausfluss. Ist dieser weisslich oder bröcklig, kann das auf eine Infektion mit Candida-Pilzen hinweisen. Vaginalpilze lassen sich normalerweise gut mit Mitteln aus der Drogerie oder Apotheke behandeln. Susanne Siegrist rät: «Wenn die Symptome nach der Behandlungsdauer von sieben Tagen nicht abklingen, sollte man sie ärztlich abklären lassen.» Ebenso sollten Infektionen während der Schwangerschaft oder andere Symptome, wie etwa Fieber oder starke Schmerzen, die dazukommen, ärztlich abgeklärt werden.
Das vaginale Mikrobiom sanft unterstützen
Es gibt verschiedene Wege, die Vaginalgesundheit zu fördern. «Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und moderate Hygiene können zur Vorbeugung von Beschwerden beitragen», führt die Expertin aus. Es gibt auch Hilfsmittel aus der Drogerie oder Apotheke. Frauen, die zum Beispiel während der Menstruation oder nach dem Besuch des Schwimmbades immer wieder Beschwerden haben, können ein Milchsäuregel verwenden. «Das hilft dem Milieu, sich schneller zu erholen.» In hartnäckigen Fällen kann auch eine Kur mit oralen Probiotika sinnvoll sein. «In den Wechseljahren, wenn die Vaginalschleimhaut trockener wird, braucht es oft zusätzlich befeuchtende Produkte. Denn trockene Schleimhäute sind verletzlicher und reagieren schneller gereizt.»
Intimhygiene: Weniger ist mehr
- Nur den äusseren Intimbereich bzw. die Vulva einmal am Tag mit lauwarmem Wasser oder mit milden, parfümfreien Intimwaschlotionen reinigen und mit einem sauberen Tuch trocken tupfen.
- Unterwäsche aus atmungsaktiven Materialien wie Baumwolle wählen und eng anliegende Hosen nicht dauerhaft tragen.
- Beim Gebrauch von Slipeinlagen darauf achten, dass sie luftdurchlässig und unparfümiert sind.
- Nasse Kleidung und Badezeug zeitnah wechseln.
- Auf Seifen, parfümierte Intimprodukte, Deos und Vaginalduschen verzichten.