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Ratgeber / Kind & Familie

Immunsystem bei Babys

24.02.2026 / von 

Das Immunsystem ist bei der Geburt zwar bereits angelegt, aber noch unerfahren. Regelmässiges «Training» hilft jedoch: Denn mit jedem Kontakt mit Viren oder Bakterien wird es robuster und widerstandsfähiger.

«Der Körper verfügt bereits bei der Geburt über sämtliche Werkzeuge für die Immunabwehr. Den richtigen Einsatz muss er aber erst lernen», erklärt Jana Schumacher, dipl. Drogistin HF und Geschäftsinhaberin. Man unterscheidet zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Immunsystem. Das angeborene Immunsystem arbeitet von Anfang an, erkennt fremde Eindringlinge und reagiert schnell. Das erworbene Immunsystem hingegen baut sich im Laufe des Lebens auf und erweitert seine Fähigkeiten mit jeder neuen Begegnung.

«Die ersten Antikörper erhält der Fötus bereits über die Plazenta der Mutter», fährt Schumacher fort. Jeder Kontakt mit Bakterien oder Viren wird vom Immunsystem als Information abgespeichert. Dadurch entsteht Schritt für Schritt ein immer grösserer Erfahrungsschatz, bis das Immunsystem schliesslich ähnlich trainiert ist wie das eines Erwachsenen (siehe Infobox).

Die Geburt selbst ist ein wichtiger Startschuss für die Abwehrkräfte. Bei einer vaginalen Entbindung kommt das Baby erstmals mit Bakterien aus dem vaginalen Mikrobiom der Mutter in Kontakt. Diese Bakterien sind die ersten, die sich in seinem Darm ansiedeln. Ein gesunder Darm fördert ein starkes Immunsystem: Ist das Mikrobiom der Mutter im Gleichgewicht, profitiert auch das Kind davon.

Nicht jede Frau kann auf natürlichem Wege gebären. Bei einem Kaiserschnitt verläuft der Aufbau des kindlichen Mikrobioms etwas anders: Das Neugeborene kommt zuerst mit Hautbakterien und Umgebungsluft in Kontakt. Jana Schumacher beruhigt: «Mütter sollten sich nicht unter Druck setzen lassen. Heute gibt es hochwertige Präparate mit nützlichen Bakterienstämmen, die Babys beim Start ins Leben unterstützen.»

Gesunde Ernährung und Körperkontakt

Die Gesundheit eines Babys kann auch anderweitig gefördert werden. Dabei spielt eine ausgewogene Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit eine entscheidende Rolle. «Geht es der Mutter gut, geht es auch dem Baby gut. Mit dem Stillen versorgt der mütterliche Körper den Nachwuchs mit wichtigen Nährstoffen wie etwa Fettsäuren, Vitaminen oder Mineralstoffen», erklärt die Expertin.

Auch nicht oder nur teilweise gestillte Babys können ein starkes Immunsystem entwickeln. Ein angenehmes Raumklima mit regelmässigem Lüften und ausreichender Luftfeuchtigkeit entlastet die Schleimhäute und macht sie weniger anfällig für Erreger. Zudem fördert Bewegung an der frischen Luft die Gesundheit der Kleinen. Auch in der kalten Jahreszeit. «Nicht die Kälte macht krank, sondern falsches Anziehen oder Frieren, was das Immunsystem mehr beansprucht.» Viele Präparate aus der Naturheilkunde können die kindlichen Abwehrkräfte auf sanfte Art und Weise unterstützen. Unsere Fachpersonen beraten Sie dazu gerne.

Wenn ein Baby krank ist, sind Ruhe, Nähe und ausreichend Schlaf wichtig für die Regeneration. «Babys schlafen meist genug, bei den Eltern ist das schwieriger», meint die Drogistin schmunzelnd. Zwar stärkt Körperkontakt nicht direkt die Immunabwehr, aber Geborgenheit und liebevolle Zuwendung helfen beim Gesundwerden und geben Sicherheit – gerade bei kranken Babys.

Dreck gehört dazu

Beim Thema Hygiene rät Jana Schumacher zu einem gesunden Mittelweg: «Wir leben in einer sehr hygienebewussten Zeit. Kommen Kinder aber kaum mit Keimen in Kontakt, kann sich ihr Immunsystem nicht ausreichend entwickeln. Natürlich sollte man sich die Hände waschen, wenn jemand krank ist, aber Kinder dürfen ruhig mal im Dreck spielen. Das gehört einfach dazu.»

Trainieren wie ein Muskel

«Jeder Infekt, den ein Baby durchmacht, ist ein kleines Training. Nach jedem Schnupfen oder Fieber reagiert der Körper gezielter», betont die Expertin und rät zur Aufmerksamkeit: «Bei sehr kleinen, zart gebauten Babys sollte man lieber einmal mehr eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren. Vor allem bei hohem oder schlecht senkbarem Fieber.» Frühgeborene und sehr junge Babys sind besonders anfällig, weil ihre Lungen und Schleimhäute oft noch nicht vollständig ausgereift sind. Impfungen sind zusätzlich ein wichtiger Baustein. Sie schützen vor gefährlichen Krankheiten und helfen dem Immunsystem, gezielt Abwehrkräfte aufzubauen.

Je älter das Kind wird, desto besser kann es Infekte bewältigen. «Zudem sind Winterbabys Krankheiten vermehrt ausgesetzt, weil sie sofort mit vielen Viren in Kontakt kommen.» Frühlingskinder hingegen haben etwas mehr Zeit und bauen ihr Immunsystem langsam über den Sommer auf.

Mit dem Eintritt in die Kita wird das Immunsystem besonders gefordert. Der ständige Kontakt mit anderen Kindern bringt zahlreiche neue Viren und Bakterien mit sich und entsprechend viele Krankheiten. «Das ist anstrengend, aber völlig normal», erklärt Jana Schumacher. Kinder, die früh viele Infekte durchmachen, sind später meist robuster. Eltern sollten sich bewusst machen: Man kann es nicht verhindern, sondern nur begleiten – mit Geduld, Zuwendung und einem guten Plan, wer wann zu Hause bleibt.

Mamas Abwehrkräfte für den Lebensstart

Bereits im Mutterleib erhält das Baby über die Plazenta wertvolle Antikörper. Diese mütterlichen Abwehrstoffe bilden den sogenannten Nestschutz. Sie wirken wie ein temporärer Schutzschirm gegen viele Krankheitserreger. Nach der Geburt wird dieser Schutz durch die Muttermilch weitergegeben, die das Kind nährt und sein Abwehrsystem zusätzlich stärkt. Dieser Effekt hält in der Regel vier bis sechs Monate an. Anschliessend bauen sich die mütterlichen Antikörper langsam ab und das Immunsystem des Babys muss selbst aktiv werden. Frühimpfungen, wie jene gegen Keuchhusten (bereits vorbeugend in der Schwangerschaft empfohlen), sind deshalb besonders wichtig, wenn der Nestschutz nachlässt.