Ob ein Sturz mit dem Trotti, ein Zusammenprall beim Spielen oder ein kleines Missgeschick in der Küche – Verletzungen gehören zum Familienalltag. Mit Trost, Desinfektion und einem Pflaster ist der Schreck oft schnell vorbei.
Schreck lass nach!
Viele Wunden sehen im ersten Moment oft dramatischer aus, als sie sind. Für Kinder ist nicht nur die Verletzung schlimm, sondern vor allem der Schreck. Blut am Knie oder ein aufgeschürftes Handgelenk sorgen schnell für Tränen. Mit der richtigen Erstversorgung heilt die Haut meist schnell ab. Grundsätzlich gilt: reinigen, desinfizieren, abdecken. Empfehlenswert ist es, das Kind zu trösten und ruhig zu erklären, was passiert. Im Sinne von: Ja, es kann kurz brennen, aber danach wird es besser. Ablenkung wirkt oft Wunder: Das kann ein Spiel sein, ein Stofftier – oder auch ein buntes «Trostpflaster», das gleich wieder Mut macht.
Schürfwunden sind Klassiker
Vor allem Knie, Hände oder Ellbogen sind betroffen, oft steckt noch Schmutz in der Wunde. Schürfwunden brennen häufig, weil feine Nervenenden gereizt sind. Wichtig ist eine gründliche Reinigung mit sauberem Leitungswasser oder mit einer sterilen Natriumchlorid-Lösung. Kleine Fremdkörper oder Steinchen lassen sich vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Danach wird die Schürfung desinfiziert, z.B. mit dem Wirkstoff Octenidin. Zum anschliessenden Schutz eignen sich spezielle Schürfwundenpflaster oder Verbände mit Kompressen, die nicht mit der Wunde verkleben.
Schnittwunden: Es blutet schnell
Schnittwunden haben glatte Ränder und bluten oft stärker. Hier gilt es zuerst, die Blutung zu stoppen. Dafür die Wunde spülen, dann mit einer Kompresse Druck ausüben und das betroffene Körperteil hochlagern. Alternativ kann auch blutstillende Watte helfen. Blutet es nicht mehr, wird die Wunde desinfiziert. Schnittwunden lassen sich mit Steri-Strips verschliessen, sodass die Wundränder gut zusammenhalten und der Schnitt möglichst narbenfrei verheilen kann. Danach sollte die Verletzung mit einem Verband oder einer Folie vor Wasser und Schmutz geschützt werden.
Platzwunden: Wenn die Haut klafft
Platzwunden entstehen durch stumpfe Gewalt und wirken oft dramatisch. Die Haut reisst auf, die Wundränder klaffen. In den allermeisten Fällen gilt: bei Platzwunden zum Arzt. Diese Verletzungen sind besonders infektionsgefährdet – und sie müssen häufig genäht oder geklebt werden.
Wann zu Ärztin oder Arzt?
Generell ist ärztliche Hilfe bei stark blutenden oder tiefen Schnittwunden nötig – länger als zwei Zentimeter oder tiefer als fünf Millimeter –, bei Verletzungen im Gesicht oder an Gelenken. Auch bei Funktionseinschränkungen oder Verdacht auf Fremdkörper sollte die Wunde ärztlich kontrolliert werden. Stich-, Biss- und Risswunden gelten wegen ihrer oft starken Verunreinigung ebenfalls als besonders kritisch. Gleiches gilt für grossflächige Verbrennung und für Schürfwunden, aus denen sich Fremdkörper nicht vollständig entfernen lassen.

Caroline Fuchs
Dipl. Drogistin HF und Co-Betriebsleiterin
Wie reagiert man als Elternteil bei Verletzungen von Kindern richtig?
Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und das Kind zu trösten und zu beruhigen. Das kann heissen, das Kind in den Arm zu nehmen und Nähe zu geben. Manche Eltern greifen zusätzlich zu Notfalltropfen oder Arnika-Globuli.
Welche wichtigsten Utensilien zur Wundversorgung sollte man zu Hause haben?
Zur Grundausstattung gehören Desinfektionsmittel, Pflaster in verschiedenen Grössen, sterile Gazen, Verbände sowie Wundgels oder -salben.
Sollten Wunden eher trocken oder feucht versorgt werden?
Heute weiss man, dass Wunden in einem feuchten Klima meist besser und schneller heilen. Gerade bei Schürfwunden trocknet die Haut so weniger
aus und neue Hautzellen können sich leichter bilden. Wundgels und -auflagen oder spezielle Pflaster halten die Wunde feucht und schützen gleichzeitig
vor Schmutz und Keimen.
Das Kind möchte nach dem Unfall ins Freibad – ist das erlaubt?
Grössere oder entzündete Wunden sollten wegen der Infektionsgefahr nicht mit Badewasser in Kontakt kommen. Kleine, gut heilende Wunden hingegen lassen sich meist gut mit einem wasserdichten Pflaster oder Folie abdecken. Ich empfehle, nach dem Baden die Wunde erneut frisch zu versorgen.
Wundversorgung von Fachpersonen
In der Drogerie oder Apotheke gibt es nicht nur die passenden Produkte – von Desinfektion bis Pflaster oder Verbände –, sondern auch persönliche Beratung durch die Fachpersonen. Je nach Art der Wunde trägt die richtige Versorgung zu einer guten Heilung bei und kann helfen, die Narbenbildung möglichst gering zu halten. Finden Sie einen Standort in Ihrer Nähe.