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Ratgeber / Gesundheit

Ernährungsmythen im Check

24.08.2026 / von 

Der Schluck Olivenöl am Morgen, das Auslassen des Abendessens oder Entgiftungskuren: Rund um die Ernährung kursieren zahlreiche Mythen. Wir nehmen die hartnäckigsten davon unter die Lupe – und zeigen, was für eine gesunde Ernährung zählt.

Blerta Ramadani
Wer zu lange nichts isst, riskiert Heisshunger oder Müdigkeit.

Blerta Ramadani

Dipl. Drogistin HF und Co-Betriebsleiterin

Olivenöl am Morgen fördert die Verdauung

Ein Schluck Olivenöl auf nüchternen Magen soll die Verdauung anregen. Das kann funktionieren, ist jedoch nicht zwingend notwendig. «Ich bin ehrlich gesagt kein Fan davon», sagt Blerta Ramadani, dipl. Drogistin HF und Co-Betriebsleiterin. Sinnvoller ist es, das Öl in die Mahlzeiten zu integrieren, zum Beispiel geträufelt über Salate. So nimmt der Körper die wertvollen Fettsäuren besser auf. Wichtig ist zudem, Olivenöl nicht zu stark zu erhitzen, damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Für einen sanften Start in den Tag empfiehlt die Expertin etwas anderes: «Ein Glas lauwarmes Wasser mit frischer Zitrone und Ingwer wirkt basisch, entzündungshemmend und regt die Verdauung an.»

Im Alter braucht man mehr Eiweiss

Mit zunehmendem Alter verliert der Körper Muskelmasse. Gleichzeitig nimmt oft der Appetit ab. «Man isst weniger und gerät schnell in einen Teufelskreis», erklärt die Expertin. Weniger Muskelmasse senkt den Energiebedarf, wodurch der Appetit weiter sinkt. Eine ausreichende Proteinzufuhr hilft nachweislich, die Muskulatur zu erhalten und diesen Kreislauf zu durchbrechen. Diese Aussage stimmt also. Empfohlen wird, regelmässig eiweissreiche Lebensmittel einzubauen, sowohl aus pflanzlichen Quellen wie Hülsenfrüchten, Nüssen oder Getreide als auch aus tierischen wie Milchprodukten, Eiern, Fleisch oder Fisch. So bleibt die Versorgung konstant und unterstützt Kraft, Stoffwechsel und Wohlbefinden.

Abendessen weglassen ist gesund

Das Abendessen auszulassen, gilt als einfacher Weg zum Abnehmen. Entscheidend ist jedoch weniger der Zeitpunkt der Mahlzeiten als die gesamte Ernährung und der individuelle Lebensstil. «Komplett auf das Abendessen zu verzichten, ist nicht sinnvoll», betont Blerta Ramadani. Eine leichte, ausge­wogene Mahlzeit am frühen Abend ist ideal. Ballaststoffe und Eiweiss sorgen für eine gute Sättigung. Wichtig sind regelmässige Mahlzeiten, die zum Alltag passen. «Optimal sind 3 bis 4 Stunden Essenspausen und 12 bis 14 Stunden nächtliche Pause zwischen den Hauptmahlzeiten.» In dieser Zeit greift der Körper auf Energiereserven zurück. Wer zu lange nichts isst, riskiert Heisshunger oder Müdigkeit.

Entschlackungskuren reinigen den Körper

Detox-Kuren sollen den Körper entlasten und den Stoffwechsel aktivieren. Dem stimmt die Drogistin zu, denn gerade nach belastenden Phasen können sie helfen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Nährstoffaufnahme zu verbessern. Wichtig ist die richtige Umsetzung. «Ausreichend trinken, idealerweise eineinhalb bis zwei Liter pro Tag, eine ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung unterstützen das Wohlbefinden.» Auch Bitterstoffe, Kräuter und Gewürze wie Ingwer oder Kurkuma können ergänzend eingesetzt werden, sollen jedoch nicht als Wundermittel verstanden werden. Gleichzeitig gilt: Nicht für jede Person ist eine solche Kur geeignet. «Bei bestimmten Erkrankungen oder Medikamentenein­nahme empfiehlt sich eine individuelle Beratung.»

Wer glutenfrei isst, is(s)t gesünder

Glutenfreie Produkte gelten oft als gesünder. «Ich bin nicht der Meinung, dass sie grundsätzlich gesünder sind», ordnet Blerta Ramadani ein. Für Menschen ohne Glutenunverträglichkeit bringt der Verzicht keinen klaren Vorteil. Viele glutenfreie Produkte sind zudem stark verarbeitet und enthalten teilweise mehr Zucker oder Fett. Sinnvoller ist es, auf natürliche Lebensmittel zu setzen. Komplexe Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Vollkornreis oder Hülsenfrüchte liefern Energie und halten lange satt. «Wer komplett auf Gluten verzichtet, riskiert zudem, dass der Körper es später schlechter verträgt, wenn es wieder gegessen wird.» Eine ausgewogene Ernährung bleibt daher entscheidend.

Viele kleine Mahlzeiten kurbeln den Stoffwechsel an

Blerta Ramadani sagt: «Entscheidend ist, wie oft man isst.» Wer ständig kleine Portionen zu sich nimmt, gibt dem Körper kaum Zeit, auf Energiereserven zurückzugreifen. Drei bis vier Mahlzeiten mit ausreichend Abstand sind meist ratsam. «So hat der Stoffwechsel Zeit, selbst aktiv zu werden.» Bei Bedarf lassen sich Zwischenmahlzeiten einbauen. Ideal sind Kombinationen aus Ballast­stoffen und Eiweiss, etwa Gemüsesticks mit Hüttenkäse oder Magerquark. Auch eine Handvoll Nüsse liefert wertvolle gesunde Fette. Zudem spielt das Trinkver­halten eine Rolle. «Ich empfehle, während des Tages genügend Flüssigkeit in Form von Wasser oder ungesüsstem Tee zu sich zu nehmen.»