Ratgeber / Gesundheit

Eisenmangel

30.10.2019 / von 

Etwa jede fünfte Frau im gebärfähigen Alter leidet unter Eisenmangel. Bei den Männern sind es rund sieben Prozent. Eisenmangel äussert sich in Müdigkeit, verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, manchmal auch in Haarausfall und brüchigen Nägeln. Abhilfe schafft gezielte Eisenzufuhr.

Ein gesunder Mann hat etwa vier Gramm Eisen im Körper. Das entspricht dem Gewicht eines Würfelzuckers. Eine gesunde Frau kommt mit etwa drei Gramm Eisen aus. Zwei Drittel davon sind im roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden und dienen dort dem Sauerstofftransport. Ein Drittel, also etwa ein Gramm, wird in Leber, Knochenmark und Milz gespeichert. Das sind die Speicher, die angezapft werden, wenn im Blut Eisen fehlt. Damit die Eisendepots gefüllt bleiben, müssen Männer täglich ein bis zwei, Frauen zwei bis vier Milligramm Eisen über den Darm aufnehmen.

Bei solch geringen Mengen sollte dies eigentlich kein Problem sein, zumal die meisten Lebensmittel Eisen enthalten. Doch so einfach ist es nicht. Die Nahrung muss etwa zehn Mal mehr Eisen enthalten, als der Organismus benötigt, also 10 bis 15 Milligramm, damit die Bilanz stimmt. Eisen kann nämlich nur in einer bestimmten Form, als freies Fe2+, oder als Häm-Eisen aufgenommen werden. In pflanzlichen Nahrungsmitteln liegt das Eisen stets in dreiwertiger Form (Fe3+) vor und ist meistens an Kohlenhydrate gebunden. Dadurch wird es für die Eisenaufnahme praktisch wertlos. Am besten aufgenommen wird das Eisen aus rotem Fleisch, ebenfalls gute Eisenlieferanten sind andere tierische Eiweisse, wie Meeresfrüchte und Eier.

Gründe für Eisenmangel

Von leichtem Eisenmangel spricht man, wenn der Ferritinwert (gebundenes Eisen) im Blut unter 50 Mikrogramm pro Liter Blut sinkt, bei weniger als 30 Mikrogramm sind die Eisenspeicher schon sehr niedrig. Sinkt der Ferritinwert unter 15 Mikrogramm, sind die Eisenspeicher leer. Der Hämoglobinwert, ein weiterer Indikator für den Eisengehalt, sollte bei Frauen bei mindestens 12 Gramm pro Deziliter Blut liegen, bei Männern bei mindestens 13 Gramm. Gründe, weshalb sich die Eisendepots leeren, gibt es mehrere. Bei Frauen ist der monatliche Blutverlust durch die Menstruation ein wesentlicher Faktor. Untersuchungen in Blutspendezentren zeigen, dass fast die Hälfte der Spenderinnen Eisenmangel aufweist. Bei schwangeren und stillenden Frauen sind es dreissig Prozent. Auch Sportler haben einen erhöhten Eisenbedarf und im Alter führen verminderter Appetit, Kaubeschwerden und Fehlernährung häufig zu Eisenmangel.

Auch durch ständige Blutverluste, etwa bei chronischen entzündlichen Darmerkrankungen, Magengeschwüren oder bei Blutverlust durch Operationen oder eine Geburt können sich die Eisenspeicher leeren. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) oder Laktoseintoleranz ist häufig die Aufnahmefähigkeit des Darms gestört. Wenn dem Organismus nicht genügend Eisen zugeführt wird, leeren sich zuerst die Speicher. Ist diese Reserve aufgebraucht, kommt es zu Blutarmut (Anämie). Zu den Symptomen des Eisenmangels - Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Haarausfall, Wachstumsstörungen bei Kindern, unruhige Beine (Restless Legs) und verminderte Kältetoleranz - gesellen sich weitere Störungen, wie Atemnot, Herzklopfen sowie blasse Haut und Schleimhäute.

Eisentabletten helfen

Wer die genannten Symptome bei sich feststellt, sollte sein Blut untersuchen lassen, denn reine, hoch konzentrierte Eisenpräparate darf man nur einnehmen, wenn tatsächlich ein Eisenmangel vorliegt. Man kann die Eisendepots auch überfüllen und schädigt damit die Organe. Die einfachste Variante, den Eisenmangel zu beheben, besteht in der Einnahme von Tabletten. Leider werden diese jedoch nicht immer gut ertragen. Häufig bekommen Patienten, die Eisenpräparate einnehmen, Magenprobleme und fast immer kommt es zu Verstopfung.

Diese unerwünschten Wirkungen führen dazu, dass viele Patienten die Tabletten nach kurzer Zeit absetzen. Damit bleibt der Therapieerfolg aus, denn die Behandlung mit einem Eisenpräparat zum Einnehmen sollte mindestens drei Monate lang fortgeführt werden. Schwangere und stillende Frauen erhalten in der Regel von ihrem Arzt ein Rezept für Eisenpräparate. Meist sind es Kombinationspräparate, die neben dem Eisen auch andere wichtige Vitalstoffe enthalten, insbesondere auch Folsäure. Diese Produkte sind für die gesunde Entwicklung des ungeborenen Kindes unerlässlich.

Eisen direkt ins Blut

Häufig wird Eisen intravenös gespritzt, vor allem wenn ein rascher Wirkungseintritt erwünscht ist (z.B. nach Geburt, Operationen), wenn die Tabletten wegen Unverträglichkeit nicht eingenommen werden oder wenn wegen einer Darmkrankheit die Aufnahme stark erschwert ist. Auch völlig erschöpfte Eisenspeicher können mittels intravenös verabreichten Eisens wirksamer gefüllt werden.

Eisenhaltige Ernährung

Patienten mit Eisenmangel wird geraten drei Mal pro Woche rotes Fleisch zu essen. Vegetariern wird ein Kräutersaft empfohlen, der Eisen in aufnahmefähiger Form enthält. Vitamin C fördert die Aufnahme von Eisen. Ein Glas Orangensaft zum Essen hilft, das Eisen optimal zu nutzen. Meiden sollte man zur eisenhaltigen Mahlzeit Milch (Calcium) und Vollkornprodukte (Ballaststoffe) sowie Kaffee und Tee (Tannine), weil diese Nahrungsmittel Eisen binden und dadurch der Aufnahme entziehen. Auch die Phosphate aus Süssgetränken, Sojabohnen und Fertigspeisen können die Eisenaufnahme mindern.

Warum Folsäure?

Eisenpräparate werden häufig mit Folsäure kombiniert. Ähnlich wie Eisen kann Folsäure bei erhöhtem Bedarf nur schwer mit der üblichen Nahrung in genügenden Mengen aufgenommen werden. Beide Vitalstoffe sind insbesondere für Frauen im gebärfähigen Alter sehr wichtig. Ein Folsäuremangel kann beim Kind zu offenem Rücken führen (Spina bifida). Dies ist eine Fehlbildung des Rückenmarks, die je nach Ausprägung und Lokalisation schwere Behinderungen wie Querschnittlähmung, geistige Beeinträchtigungen und diverse Störungen von Körperfunktionen nach sich ziehen kann. Da sich der Rücken in den ersten Schwangerschaftswochen entwickelt, sollten die Folsäuredepots bereits vor der Schwangerschaft gefüllt sein.