Ratgeber / Gesundheit

Wechseljahre: Ein neuer Lebensabschnitt

24.08.2020 / von 

Die Wechseljahre sind ein wichtiger Abschnitt im Leben jeder Frau. Die einen meistern sie problemlos, während andere mit Beschwerden zu kämpfen haben. Es gibt Hilfsmittel für diese wahrlich wechselhafte Zeit.

Wenn die Menstruation unregelmässig wird und eines Tages ganz aussetzt, vermissen die meisten Frauen die Blutungen nicht. Auch dass sie sich nicht mehr um die Verhütung kümmern müssen, finden sie praktisch. Allerdings beschleicht manche auch eine gewisse Wehmut: Ihre Fruchtbarkeit hat nun definitiv ein Ende gefunden. Zudem halten viele Frauen in dieser Zeit Rückschau auf ihr bisheriges Leben und denken darüber nach, was in den vor ihnen liegenden Jahren und Jahrzehnten noch kommen soll. Die Kinder werden flügge oder sind es bereits, die Partnerschaft hat sich meist eingespielt oder das Single-Leben nimmt seinen Lauf. Wie also kann die Zukunft aussehen? Was soll sich in der Partnerschaft verändern, was bleiben, wie es ist? Stimmt die Wohnsituation noch? Und was ist mit dem Job? Welche Träume sind noch da?

Fragen über Fragen. Manche Frauen erleben diesen Lebensabschnitt wie einen zweiten Frühling, starten mit neuer Energie ins Kommende und freuen sich aber auch, manches ruhiger angehen zu können. Es ist jedoch auch die Zeit der Wechseljahrbeschwerden, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Bis zu 80 Prozent aller Frauen leiden durch die hormonellen Veränderungen an mehr oder weniger ausgeprägten Symptomen.

Wechseljahre als Lebensphase

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Veränderung im Leben einer Frau. Es handelt sich um den Zeitraum, in dem die Fortpflanzungsfähigkeit langsam erlischt und sich die Hormonproduktion verringert. Die Ausschüttung nimmt langsam ab und ist nicht mehr so regelmässig wie zuvor. Der Eisprung bleibt immer öfter aus, die Zyklen können kürzer oder auch länger werden, die Blutungen unregelmässiger und bei manchen Frauen zudem länger und stärker, was mitunter zu grossem Blutverlust führen kann. Das alles geschieht nicht innerhalb von zwei Wochen, sondern dieser Prozess dehnt sich über Jahre aus. Wann er einsetzt, ist individuell: Manche Frauen kommen schon Ende 30 in die Wechseljahre, andere wiederum erst mit 50 oder später. Interessant ist hierbei die genetische Komponente, denn die letzte Periode einer Frau findet oft ungefähr im gleichen Alter statt, wie das bei ihrer Mutter oder ihrer Schwester der Fall war. Dass es wirklich die letzte Periode war, lässt sich allerdings erst nach zwölf Monaten ohne weitere Blutung sagen. Bis dahin gilt es, entsprechend zu verhüten. Treten nach einem längeren Zeitraum wieder Blutungen auf, könnte das auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. In diesem Fall ist also zur Sicherheit der Besuch beim Frauenarzt angezeigt.

Nach der Menopause – so der Fachausdruck der letzten natürlichen Mens – ist der Östrogenspiegel kaum mehr messbar, während die Konzen­tration des follikelstimulierenden Hormons (FSH) im Blut ansteigt. Weil die Eierstockfunktion versiegt, also vom Eierstock quasi keine Antwort mehr kommt, sendet das Hirn noch mehr Signale (FSH) aus.

Die drei Phasen der Wechseljahre

Die Wechseljahre sind kein gleichmässiger Prozess. Sie werden in drei Abschnitte unterteilt:

Erste Phase: Die Prämenopause
Die gesamte fruchtbare Phase heisst in der Fachsprache Prämenopause (prä = vor). Gegen deren Ende – im Schnitt mit 40 bis 45 Jahren – beginnt die Funktion der Eierstöcke nachzulassen, weshalb Zyklusstörungen auftreten können. Eisprung und Mens finden noch statt.

Zweite Phase: Die Perimenopause
Als Perimenopause wird die Lebensphase kurz vor und kurz nach der letzten Regelblutung – in der Fachsprache Menopause genannt – bezeichnet. Durchschnittlich erleben Frauen die Menopause im Alter von 51 Jahren, ein Prozent allerdings bereits unter 40 Jahren, eine Frau von tausend sogar unter 30 Jahren.

Dritte Phase: Die Postmenopause
Sind zwölf Monate seit der letzten Periode vergangen, kann man davon ausgehen, dass sich keine weitere Monatsblutung mehr einstellen wird. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Postmenopause (post = danach).

Der Sturm der Hormone

Einige Mediziner vergleichen die Berg-und-Tal-Fahrten der weiblichen Hormone während der Wechseljahre mit den hormonellen Umbauvorgängen in der Pubertät. Selbst wenn die Frauen wesentlich reifer und lebenserfahrener sind als Teenager, so werden sie emotional und körperlich von den Hormonen oft ebenso durchgeschüttelt wie Jugendliche.

Vor allem die sinkenden Östrogenwerte haben «Nebenwirkungen». Besonders typisch dafür sind Hitzewallungen und (nächtliche) Schweissausbrüche. Weitere Wechseljahrerscheinungen können Stimmungsschwankungen sein, ebenso wie Schlafstörungen, Herzklopfen, Reizbarkeit, Nervosität, Erschöpfung, Gelenkbeschwerden, Wassereinlagerungen, Haarausfall, trockene Haut, Blasenentzündungen, Harninkontinenz, Gewichtszunahme, Juckreiz und Trockenheit im Intimbereich sowie Libidoverlust.

Um die Wechseljahrbeschwerden zu lindern, existieren – je nach Symptomen – verschiedene Ansätze: Sport und Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie die Reduktion von Kaffee, Alkohol, scharfen Gewürzen und Nikotin. Hinzu können natürlich pflanzliche Mittel und – falls angezeigt – eine Hormonersatztherapie kommen.

Schon in den Wechseljahren?

Frauen, welche die Anti-Baby-Pille nehmen oder andere hormonelle Verhütungsmittel benützen, bekommen regelmässig eine Monatsblutung, auch wenn die Eierstockfunktion zunehmend abnimmt. Es kann deshalb sinnvoll sein, vom Gynäkologen oder der Gynäkologin den Hormonstatus überprüfen zu lassen. Dabei stellt sich heraus, in welchem Stadium der Wechseljahre sich die Patientin befindet und ob eine Verhütung überhaupt noch notwendig ist.

Welche Pflanzen wogegen helfen können

Hitzewallungen, Schweissausbrüche:
Salbei, Traubensilberkerze, Mönchspfeffer

Unregelmässige Blutungen:
Mönchspfeffer

Kopfschmerzen:
Pestwurz

Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen:
Traubensilberkerze, Johanniskraut

Spannungszustände, Schlafprobleme:
Lavendel, Hopfen, Baldrian, Traubensilberkerze

Trockene Haut und Schleimhäute:
Sanddornöl, Nachtkerzenöl

Diese sogenannten Phytotherapeutika können vor allem dann sinnvoll sein, wenn eine Hormonersatztherapie nicht erwünscht ist oder vermieden werden sollte. Ihr Fachpersonal berät Sie gern bezüglich des für Sie geeigneten Präparats. Gerne mischen wir Ihnen auch einen individuellen Spagyrik-Spray mit den Essenzen, die sich am besten bei den auftretenden Beschwerden eignen.

Ursula Gobrecht Keller
Eine Hormonersatztherapie kann die Lebensqualität verbessern.

Dr. med. Ursula Gobrecht-Keller

Oberärztin Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Basel

Bei welchen Wechseljahrbeschwerden können Hormone helfen?

Typisch sind Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Hautveränderungen, Haarausfall, Sexualprobleme, eine trockene Scheide, Harnwegsbeschwerden, Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Gelenk- und Muskelschmerzen. Zudem finden auch «unsichtbare» Veränderungen im Körper statt wie Veränderungen im Herz-Kreislauf-System und Osteoporose. Eine Hormonersatztherapie kann gegen die genannten Beschwerden helfen und somit die Lebensqualität verbessern, aber auch als Prophylaxe dienen, beispielsweise gegen Knochenbrüche bei Osteoporose.

Wann ist der Einsatz von Hormonen sinnvoll?

Falls eine Hormonersatztherapie infrage kommt, soll sie innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Menopause respektive vor dem 60. Altersjahr begonnen werden. Dieser Zeitraum wird als «günstiges Fenster» angesehen, in welchem der Nutzen der Therapie mögliche Risiken übersteigt.

Wie lange sollte eine Frau Hormone anwenden?

Die Anwendungsdauer einer Hormonersatztherapie willkürlich zu beschränken, ist nicht sinnvoll. Jede Hormontherapie sollte jährlich vom Arzt oder von der Ärztin gemeinsam mit der Patientin neu beurteilt werden und so lange weitergeführt werden, wie der Nutzen die Risiken überwiegt.