Ratgeber / Gesundheit, Naturheilkunde

Fit dank Bitterstoffen

19.12.2019 / von 

Pflanzliche Bitterstoffe sind seit jeher als Verdauungshelfer bekannt, denn sie fördern die Gallenproduktion und unterstützen die Fettverdauung. Diese und weitere Vorteile haben bittere Nahrungsmittel für den Körper.

Was sind Bitterstoffe?

Die meisten Menschen verziehen beim Essen von bitteren Lebensmitteln das Gesicht. Erklären lässt sich dies dadurch, dass Bitteres teilweise giftig ist. Das zu erkennen und zu unterscheiden, was trotz bitterem Geschmack essbar ist, war früher lebenswichtig. Noch heute verzichten deshalb viele bewusst auf Bitteres und bevorzugen Süsses oder Salziges.

Diese Vorliebe unterstützen auch die Lebensmittelproduzenten, indem sie die Bitterstoffe bei vielen Gemüse-, Salat- und Obstsorten wie etwa Chicorée, Rucola, Endiviensalat oder Grapefruits gezielt herausgezüchtet haben. Das ist zwar angenehmer für die Geschmacksnerven, doch dem Körper gehen dadurch leider die zahlreichen Vorteile der Bitterstoffe verloren. Massvoll konsumiert, sind diese nämlich sehr gesund. Besonders für die Bauchorgane sind sie ein wahrer Segen, weil sie die Aufnahme von Nähr- und Vitalstoffen aus dem Darm begünstigen und auch bei Verdauungsstörungen aller Art helfen. Sie sorgen für eine anregende und kräftigende Wirkung auf den gesamten Organismus und das Immunsystem.

Als Bitterstoffe (sogenannte Amara, vom lateinischen Wort «amarus» für «bitter») gelten alle chemischen Verbindungen, die auf der Zunge eine spezielle Gruppe von Eiweissen aktivieren, die den Bittergeschmack erkennen. So schmecken für uns zahlreiche Kräuter, Gewürze, Wildpflanzen, Obst- oder Gemüsesorten, aber auch gewisse Getränke bitter. Den höchsten Anteil an Bitterstoffen enthält die Enzianwurzel. Doch auch in Löwenzahn, Rucola, Endivien, Artischocken, Wermut, Oliven, Bitterschokolade, Sesam, Zimt, Ingwer, Kurkuma, Senfkörnern und Mariendistel stecken die gesunden Stoffe.

 

Bitterstoffe wirken schon im Mund

Die Bitterstoffe entfalten ihre Wirkung schon im Mund, weil der bittere Geschmack über die Zunge das vegetative Nervensystem anregt und damit die Produktion für Speichel und Verdauungssäfte ankurbelt. Kein Wunder, dass es eine Vielzahl an Arzneimitteln für die Zufuhr von Bitterstoffen gibt, beispielsweise Tees, Tinkturen, Extrakte oder Frischpflanzensäfte. Wichtig ist, Bitterstoffe nicht in grossen Mengen einzunehmen, denn in geringer Dosis wirken sie besser. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Drogerie oder Apotheke beraten.

Die Zusammenhänge zwischen den Bitterrezeptoren und dem Immunsystem eröffnen neue Perspektiven für die therapeutische, aber auch für die präventive Medizin. So soll es gemäss Forschern möglich sein, Infektionen bereits im Anfangsstadium zu bekämpfen, indem man beispielsweise durch die Einnahme von bitteren Heilpflanzen und Gewürzen wie Artischocke, Hopfen, Enzian, Löwenzahn und Wermut gezielt die Rezeptoren und ihre Immunreaktionen aktiviert. Eine alte Volksweisheit lautet: Medizin muss bitter schmecken, wenn sie wirken soll. Wenn es Sie Überwindung kostet, Bitterstoffe einzunehmen, rufen Sie sich ihre heilsame Wirkung ins Gedächtnis, denn bitter macht wirklich fitter!

Drei top Bitterstoff-Lieferanten

Besonders wertvoll für eine gute Fettverdauung sind die Inhaltsstoffe der Artischocke respektive der Artischockenblätter. Die als Gemüse beliebte Mittelmeerpflanze enthält Substanzen, die dem Körper guttun, unter anderem den Bitterstoff Cynarin, der die Gallenproduktion anregt und die Leber schützt. Dazu kommen Flavonoide, die stark antioxidativ wirken.

Eine vielseitige Heilpflanze ist der Löwenzahn. Er hat einen positiven Einfluss auf sämtliche Verdauungsorgane. Durch die Bitterstoffe ist Löwenzahn appetitanregend und hilft bei Blähungen, Verstopfung und Magenbeschwerden. Die getrockneten Blätter und Wurzeln werden als Tee verkauft oder zur Tinktur verarbeitet angeboten.

Wermut ist nicht nur der Grundstoff für Apérogetränke, sondern ebenso eine Heilpflanze, die zur Anregung des Appetits sowie bei Verdauungsbeschwerden und Darmerkrankungen zum Einsatz kommt. Das getrocknete Kraut des Wermuts wird in Teemischungen verwendet oder zu einer Tinktur verarbeitet, die kurzfristig bei Bedarf eingesetzt werden können. Sie sind nicht zur Daueranwendung bestimmt.