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Darmgesundheit: Der Darm denkt mit

28.10.2019 / von 

Das Gehirn ist die Schaltzentrale des Organismus. Doch die alleinige Herrscherin, wie es scheint, ist es nicht. Das sogenannte Darmhirn mischt kräftig mit. Denn der Darm funktioniert weitgehend autonom, und wenn hier jemand Einfluss ausübt, dann eher der Darm auf das Gehirn als umgekehrt.

Darmgesundheit und psychische Gesundheit

Menschen, die unter einem Reizdarm oder einem Reizmagen leiden, sind sehr oft auch von depressiven Verstimmungen, Angststörungen  und emotionalen Schwankungen betroffen. Umgekehrt kennen viele Menschen mit psychischen Erkrankungen Verdauungsprobleme wie Verstopfung, Durchfall, Übelkeit und Schmerzen. Woher kommt dieser Zusammenhang? Und warum findet man bei Reizdarm keine organischen Ursachen, obwohl die typischen Symptome Durchfall und Verstopfung zweifelsfrei vorhanden sind? Antworten auf diese Fragen kann möglicherweise die Erforschung des sogenannten Darmhirns geben.

Für die Verdauung braucht es das Gehirn nicht

Der deutsche Arzt Leopold Auerbach entdeckte 1862 ein Geflecht von Nervenzellen, das in zwei Schichten in die Darmwand eingebettet  liegt. Erstaunlich an diesem Nervengeflecht: Es unterscheidet sich nicht von den Nerven des Zentralnervensystems, also jenen im Gehirn  und im Rückenmark, und es sind dieselben Botenstoffe, welche die Signale von Nervenzelle zu Nervenzelle weiterleiten.

Erstaunliches entdeckten auch die englischen Ärzte William Bayliss und Ernest Starling Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Muskelbewegungen des Darms funktionieren auch dann, wenn man den Darm von seinen Nervenverbindungen zum Gehirn trennt. So richtig in Schwung kam die Forschung  über diese Phänomene in den vergangenen dreissig Jahren.

Neurogastroenterologie heisst das Fachgebiet und es brachte weitere bedeutsame Erkenntnisse zutage: Nicht nur die Darmbewegungen, sondern praktisch das gesamte Verdauungssystem funktioniert weitgehend autonom. Egal, ob es um die Produktion von Verdauungssäften und Hormonen, um Schutzmechanismen vor  Krankheitserregern, den eigenen Verdauungssäften und Giftstoffen oder um die Aufnahme von Nahrungsstoffen geht, das Gehirn braucht es dazu nicht. Der Darm bewältigt diese Aufgabe alleine. Darum nennt man das Nervensystem des Darms auch das Darmhirn.

Diese Unabhängigkeit des Verdauungssystems lässt sich durchaus erklären: Im Laufe eines 75-jährigen Menschenlebens durchlaufen mindestens vierzig Tonnen Nahrung und 50'000 Liter Flüssigkeit Magen und Darm. Darin enthalten sind Millionen von chemischen Substanzen, die analysiert, aufgeschlüsselt und entweder in den Organismus aufgenommen oder ausgeschieden werden müssen. Wäre für all diese Funktionen das Gehirn zuständig, wer weiss, ob wir dann noch freie Kapazitäten zum Denken hätten, ganz zu schweigen von den dicken Strängen an Nervenfasern, die vom Verdauungssystem durch das Nadelöhr Hals zum Gehirn führen müssten.

Der Darm beeinflusst die Gefühle

Dennoch ist die Verbindung zwischen Gehirn und Darmhirn eng. «Es gibt heute gute Hinweise dafür, dass Signale aus dem Darm das  limbische System und damit unsere Gefühlslage beeinflussen », sagt Dr. Peter Holzer, Professor an der Medizinischen Universität Graz  und Leiter der Forschungseinheit für translationale Neurogastroenterologie. Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen experimenteller  Forschung und klinischer Entwicklung und begleitet zahlreiche Studien, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen Gehirn und  Verdauungssystem befassen.

Zu den wichtigsten Forschungsergebnissen zählt der Nachweis, dass Gastritis (Entzündung der  Magenschleimhaut) und Colitis (Entzündung des Dickdarms)  Emotionen und Stimmungslage verändern können. Ebenfalls erwiesen ist,  dass bestimmte Hormone des Verdauungssystems einen Einfluss auf Ängstlichkeit und Depressionen haben sowie für Entzündungen  und Schmerzen verantwortlich sind. Das macht Hoffnung auf neue Behandlungsmöglichkeiten. Doch Prof. Holzer winkt ab: «In den  vergangenen fünfzehn Jahren wurde viel geforscht, vorallem mit Wirkstoffen gegen den Reizdarm. Sie haben alle kläglich versagt.» Die Wirkung erwies sich als gering und  die Nebenwirkungen waren in manchen Fällen so gravierend, dass die amerikanische  Heilmittelzulassungsbehörde FDA Warnhinweise forderte, worauf die Produkte von den Herstellerfirmen zurückgezogen wurden.

Fazit:  Man weiss zwar, dass beim Reizdarm die Kommunikation zwischen Gehirn und Darmhirn gestört ist, aber die Ursache der Störung ist  weiterhin unbekannt.

Hoffnungen auf roten Pfeffer

Erste Erfolge liefert das Capsaicin, der scharfe Inhaltsstoff des roten Pfeffers. Jeder, der das Gewürz schon einmal auf die Zunge  genommen hat, kennt den brennenden Schmerz, den es auslöst. Wer öfter scharfe Speisen isst, weiss aber auch, dass man sich daran  gewöhnt. Grund dafür ist eine Desensibilisierung der Nerven. Sie reagieren weniger empfindlich auf den Reiz und senden weniger Schmerzsignale ins Gehirn.

Diese Gewöhnung macht man sich bereits in der Schmerztherapie zunutze. Äusserlich wird Capsaicin eingesetzt bei Neuralgien nach einer Gürtelrose. Unter Lokalanästhesie werden hoch konzentrierte Pflaster für etwa 45 Minuten auf die  schmerzende Stelle aufgelegt. Danach sind die Patienten bis zu drei Monate lang schmerzfrei. Nach demselben Prinzip laufen derzeit  Studien mit Capsaicinkapseln für Patienten mit schmerzhaften Verdauungsstörungen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Auch hier findet eine Desensibilisierung der Nerven statt, die Schmerzsignale ins Gehirn leiten. Zurzeit gibt es aber noch keine Produkte zu  kaufen.

Leider lässt sich allein mit scharf gewürzten Speisen kein Effekt erzielen. «Niemand könnte solche Portionen scharfer Speisen verkraften, um die hohe Capsaicindosis aufzunehmen, die in den Kapseln enthalten sind», sagt Prof. Holzer. Die gute Nachricht für  Liebhaber asiatischer Speisen lautet: Sie müssen wegen Magenschmerzen nicht auf scharfe Speisen verzichten. Im Gegenteil. Capsaicin stimuliert sensible Nerven in der Magenschleimhaut, wodurch die Magendurchblutung gesteigert und lokale Schutzmechanismen  verstärkt werden.

Hohe Bedeutung der Darmbakterien

Ebenfalls in den Fokus der Forschung gerückt sind die Darmbakterien. Im Darm befinden sich zehnmal mehr Mikroorganismen, als der Mensch Zellen hat. Die Forschung zeigt, dass von ihrer Zusammensetzung und Funktion die Gesundheit des ganzen Körpers abhängt.

Abwehrzellen in der Darmwand

Die wissenschaftliche Bezeichnung für diese riesige Bakteriengemeinschaft lautet Darmmikrobiom. Sie ist das, was landläufig Darmflora  genannt wird. Es zeigt sich, dass die Darmbakterien nicht nur fleissige Helfer bei der Verdauung sind. In der Darmwand sitzen siebzig Prozent der Abwehrzellen. Mit diesen steht das Darmmikrobiom in enger Verbindung.

Ist die Zusammensetzung der Darmbakterien gestört, kann dies Entzündungsprozesse auslösen, die das Immunsystem aktivieren und über Immunbotenstoffe bestimmte Gehirnfunktionen beeinflussen. Aus Experimenten ist bekannt, dass bakterielle Giftstoffe nicht nur die typischen Symptome einer  akuten Infektionserkrankung, sondern auch depressive Störungen auslösen können. Ausserdem wird vermutet, dass Stress die Darmpermeabilität (Durchlässigkeit der Darmwand) erhöht. Dadurch können Bakterien in den Organismus eindringen und wie  beschrieben eine Immunreaktion mit den genannten Auswirkungen auf die Gemütslage auslösen.

Der Begriff Bauchgefühl erhält angesichts dieser Erkenntnisse eine neue Bedeutung. Wer weiss, ob wir nicht eines Tages die Stimmungslage eines Menschen oder  sogar gewisse Charaktereigenschaften, wie Ängstlichkeit oder Unbeschwertheit, an der Zusammensetzung der Darmbakterien ablesen  können. Von der Hand weisen möchte Prof. Holzer solche Gedanken nicht. Es könnte durchaus sein, dass das Darmhirn nicht nur die  Psyche beeinflusst, sondern auch Denkprozesse. Er betont jedoch, dass gesicherte Erkenntnisse dazu Zukunftsmusik sind. Vielleicht  sollten wir es bis dahin halten wie die Chinesen. Eine ihrer üblichen Begrüssungsformeln lautet: «Hast du schon gegessen?» Eine  bedeutsame Frage, wie die Forschung zeigt.

Bringen Sie Ihre Verdauung in Schwung

Der Darm ist das wichtigste Organ in unserem Verdauungssystem. Treten hier Schwierigkeiten auf, können sie Auswirkungen auf  unseren gesamten Organismus haben und vielfältigste Probleme hervorrufen. Die Ursache für eine gestörte Darmtätigkeit ist häufig in  unserer Ernährung oder ganz allgemein in unserem Lebensstil zu finden. Wir sind immer in Hektik, gestresst, die Mahlzeiten fallen  meist kurz aus, Fast Food und Convenience-Menüs müssen gesunden Lebensmitteln Platz machen. Die Balance im Darm wird dadurch gestört und der Darm kann dem Körper nicht mehr genügend Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und Antikörper zur Verfügung stellen. Als Folge treten Mangelerscheinungen auf, die den ganzen Körper negativ beeinflussen.

Ist die Ursache einmal bekannt, kann der Darm  auf einfache Weise regeneriert und eine gesunde Darmflora hergestellt werden - mit einer Darmsanierung. Diese kann ganz einfach  und unkompliziert zu Hause durchgeführt werden. Dem Körper werden dabei Milchsäurebakterien sowie Aminosäuren zugeführt, welche  die Darmflora wieder aufbauen. Sie werden es spüren: Sie fühlen sich danach geistig und körperlich fitter. Lassen Sie sich bei uns zeigen, wie einfach eine Darmsanierung gemacht werden kann.