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Ratgeber / Gesundheit

Bindehautentzündung: Wenn das Auge Alarm schlägt

24.08.2026 / von 

Brennende, gerötete Augen sind meist harmlos und entstehen häufig durch Reizung, Trockenheit oder Allergien. Treten zusätzlich Tränenfluss, Juckreiz oder verklebte Lider auf, kann eine beginnende Bindehautentzündung dahinterstecken.

Eine Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis genannt, gehört zu den häufigsten Augenbeschwerden. Schätzungsweise sind jährlich über 100'000 Menschen in der Schweiz betroffen. Oft bildet sie sich von allein zurück. Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, ist es wichtig, die Ursache gut einzuordnen, denn nicht jede Entzündung wird gleichbehandelt. Manche Formen sind sehr ansteckend, andere entstehen durch Allergien, trockene Luft oder Reizstoffe. Für Laien sehen die Symptome oft ähnlich aus. Deshalb ist die Abklärung der Ursache sinnvoll, besonders wenn die Beschwerden stark sind, länger dauern oder das Sehvermögen betroffen ist.

Die Bindehaut ist eine dünne, feuchte Schleimhaut, die die Innenseite der Augenlider auskleidet und den vorderen, weissen Teil des Auges bedeckt. Zusammen mit dem Tränenfilm hält sie die Oberfläche glatt und geschützt. Wird diese empfindliche Schicht gereizt oder von Erregern befallen, entzündet sie sich. Die feinen Blutgefässe weiten sich, das Auge wird rot. Es tränt, brennt oder fühlt sich an, als sei ein Sandkorn darin.

Viren, Bakterien und andere Auslöser

Eine infektiöse Bindehautentzündung wird oft durch Viren ausgelöst. Bei Erwachsenen stehen dabei Adenoviren im Vordergrund. Typisch sind wässrige Tränen, Rötung, Brennen, Fremdkörpergefühl und manchmal geschwollene Lymphknoten vor dem Ohr. Die Behandlung besteht vor allem aus beruhigenden, befeuchtenden Augentropfen und guter Hygiene sowie Geduld. Da Antibiotika nur bei bakteriellen Entzündungen wirken, werden sie hier nicht eingesetzt. Nur bei bestimmten Viren – zum Beispiel Herpesviren – braucht es gezielte antivirale Medikamente.

Auch Bakterien können eine Konjunktivitis verursachen. Dann ist das Sekret häufig dickflüssig, gelblich oder grünlich, und die Lider sind morgens oft verklebt. Eine bakterielle Bindehautentzündung kann zwar ebenfalls von selbst abheilen, bei Bedarf werden aber antibiotische Augentropfen eingesetzt. Damit die Behandlung wirkt und keine Resistenzen entstehen, müssen die antibiotischen Augentropfen in der richtigen Häufigkeit und über die empfohlene Dauer angewendet werden. Selten können auch sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken eine Bindehautentzündung verursachen. Solche Infektionen gehören ärztlich abgeklärt und behandelt, weil sie meist nicht nur das Auge betreffen.

Nicht jede Konjunktivitis ist ansteckend. Bei einer allergischen Bindehautentzündung reagiert das Auge auf Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben oder andere Allergene. Dann jucken beide Augen stark, tränen, sind gerötet, und es kommen nicht selten Niesen oder eine laufende Nase dazu. Auch Medikamente, Kontaktlinsen, Rauch, Staub oder Chlorwasser sowie trockene Luft und Durchzug können die Bindehaut entzünden. Zur Behandlung werden verschiedene antiallergisch wirkende oder befeuchtende und reizlindernde Augentropfen eingesetzt.

Gute Hygiene schützt vor Ansteckung

Ist die Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterien verursacht, kann sie sehr ansteckend sein. Oft beginnt sie an einem Auge und geht später auf das zweite Auge über. Auch Menschen in der Umgebung des Betroffenen sind dem Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Wenn man sich die Augen reibt, danach Türfallen, Handys, Tastaturen oder Handtücher berührt, gibt man die Erreger weiter.

Hygiene ist deshalb ein wichtiger Teil der Behandlung. Wer infiziert ist, sollte die Hände häufig und gründlich mit Seife waschen, die Augen möglichst nicht berühren und eigene Handtücher sowie Waschlappen verwenden. Die Spitze des Augentropfen-Fläschchens oder der Monodosen dürfen die Augenoberfläche nicht berühren, damit sie nicht verunreinigt werden. Make-up, Mascara, Kontaktlinsen und -behälter können Erreger aufnehmen und sollten während der Entzündung nicht verwendet werden. Bei Kontaktlinsen ist besondere Vorsicht nötig, weil auch die Hornhaut betroffen sein kann.

Symptome richtig einordnen

Neben den bereits erwähnten Symptomen kann auch die Sicht verschwommen sein, etwa weil Sekret auf der Augenoberfläche liegt. Wird es weggeblinzelt oder vorsichtig entfernt und danach ist alles wieder klar, handelt es sich um eine eher unkomplizierte Entzündung. Bleibt die Sicht schlechter, ist das ein Warnzeichen.

Die Diagnose ergibt sich meist aus den Beschwerden und dem Aussehen des Auges. Trotzdem ist die Unterscheidung zwischen viral, bakteriell, allergisch und reizbedingt nicht immer eindeutig. Ärztlich abgeklärt werden sollten starke Schmerzen, deutliche Lichtempfindlichkeit oder eine Verschlechterung des Sehens. Ebenfalls in Behandlung gehören Fremdkörper oder Verletzungen im Auge, eine auffällige Pupille, starke Kopfschmerzen, Beschwerden nach einer Operation sowie rote Augen bei Neugeborenen. Auch Kontaktlinsenträger*innen sollten früh fachlichen Rat aufsuchen. Wenn der Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion besteht, braucht es ebenfalls eine ärztliche Abklärung.

Was die Heilung unterstützt

Viele Bindehautentzündungen heilen innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ab. Bei viralen Formen können die Beschwerden nach einigen Tagen am stärksten sein und danach langsam zurückgehen. Bei bakteriellen Formen ist eine spontane Besserung ebenfalls möglich. Unterstützend während der akuten Phase sind konservierungsmittelfreie, befeuchtende und beruhigende Augentropfen, kühle und saubere Kompressen, z.B. mit Schwarztee-Extrakt, und eine konsequente Hygiene.

Die Fachpersonen in der Apotheke können ein rotes Auge schnell und kompetent einschätzen (siehe auch Infobox). Bei leichteren Verläufen ist es manchmal sinnvoll, bewusst abzuwarten. Zusätzlich kann die Anwendung von desinfizierenden oder antiallergischen Augentropfen geprüft und die Situation nach zwei bis drei Tagen erneut beurteilt werden. Hat sich das Krankheitsbild nicht gebessert oder treten Warnzeichen auf, ist eine vertiefte Beratung in der Apotheke empfehlenswert.

Apotheke als erste Anlaufstelle

Eine Beratung in der Apotheke ist ohne Voranmeldung möglich. Diskret klären die Apothekerinnen und Apotheker akute Beschwerden und die bisherige Krankengeschichte persönlich ab. Danach legen sie mit der betroffenen Person einen Therapieplan fest und dokumentieren ihn im Patientendossier. Nach einer sorgfältigen Triage, bei der komplexe oder risikoreiche Situationen ausgeschlossen werden, können in jeder Apotheke bestimmte rezeptpflichtige Medikamente auch ohne ärztliche Verschreibung abgegeben werden. Falls nötig, erfolgt die Weiterleitung an den Hausarzt oder an eine Spezialistin.

Helene Strahm
Man sollte nicht mit ungewaschenen Händen in die Augen fassen.

Helene Strahm

Apothekerin und Co-Betriebsleiterin

Was klären Sie in der Apotheke bei Verdacht auf eine Bindehautentzündung zuerst ab?

Ich mache mir zuerst ein Gesamtbild. Wichtig ist zu wissen, wie lange die Beschwerden bestehen, wie sie begonnen haben, wie stark sie sind, ob jemand zum Beispiel Kontaktlinsen trägt, Grunderkrankungen hat oder andere Medikamente einnimmt. Daraus ergibt sich eine sinnvolle Behandlung.

Warum ist es schwierig, zwischen viraler und bakterieller Ursache zu unterscheiden?

Bei viralen Entzündungen ist das Sekret eher wässrig, bei bakteriellen eher eitrig, aber die Symptome sind sehr ähnlich. Deshalb behandelt man meist zuerst die Symptomatik.

Und wenn sich die Symptome nicht bessern?

Dann ist die Ursache entscheidend. Ich kläre ab, ob die Entzündung infektiös oder allergisch bedingt ist. Ist sie allergisch bedingt, wird sie mit antiallergischen Tropfen behandelt. Bei bakteriellen Infektionen kommen Antibiotika als Behandlungsform infrage. Je nach Art des Virus gibt es auch antivirale Therapien.

Kann man einer Bindehautentzündung vorbeugen?

Man sollte nicht mit ungewaschenen Händen in die Augen fassen. Auch regelmässige Lidrandhygiene kann helfen. Besonders bei Menschen, die häufiger gereizte Augen haben. Dafür gibt es spezielle Tücher oder befeuchtende Augentropfen.

Was ist Ihnen beim Einsatz von Augentropfen besonders wichtig?

Viele wissen nicht genau, wie man Augentropfen richtig anwendet. Darum erklären wir die Anwendung sorgfältig.