Ratgeber / Kind & Familie

Beschwerden in der Schwangerschaft

22.10.2019 / von 

Eine Schwangerschaft unterteilt man in drei Stadien - in Trimenonen oder auch Trimester genannt. Jedes Trimenon umfasst ca. 3 Monate bzw. 13 Wochen. Da der Empfängnistermin selten genau festgelegt werden kann, wird in der Medizin vom ersten Tag der letzten Menstruation an gerechnet.

Beschwerden nach Trimester

Erstes Trimenon - Anpassung an körperliche Veränderung

Im ersten Trimenon entwickelt sich der Embryo besonders rasch. Der Beginn der Schwangerschaft bringt aufgrund der sehr grossen hormonellen Umstellung für 50% bis 90% der Betroffenen teilweise starke Übelkeit mit sich. Meist legt sich dies im weiteren Verlauf der Schwanerschaft. Ab Woche drei nimmt die Empfindlichkeit der Brust zu und es kommt zu Spannungsgefühlen.

Oft kommt es im zweiten Monat zu Heisshungerattaken, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Beim Embryo beginnt sich in der sechsten Woche die Wirbelsäule zu bilden, Kopf und Rumpf nehmen Form an. Bald schon sind kleine Knospen zu erkennen, aus denen sich später die Gliedmassen entwickeln. Nach zwei Monaten beginnen sich Finger und Gesichtszüge abzubilden. Ab dann kann auch die Herzaktivität im Ultraschall nachgewiesen werden.

Zum Ende der neunten Woche sind Ansätze für die Ausbildung von Zehen und Nase zu erkennen, bald darauf auch die Ohrmuschel. Die Augenlieder bilden sich und erste Bewegungen sind möglich. In der zehnten Woche sind alle Organanlagen vorhanden und die Knospen für die Milchzähne werden ausgebildet.

Zweites Trimenon - Wohlbefinden

Im zweiten Schwangerschaftsabschnitt verschwinden meist die anfänglichen Komplikationen. Für viele Frauen beginnt eine angenehme Zeit - auch weil das Risiko einer Fehlgeburt jetzt deutlich abgenommen hat. Hatten manche im ersten Trimenon noch mit Wechselbädern der Gefühle zu kämpfen, ist das zweite Trimenon meist gekennzeichnet von Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.

Aus diesen Gründen wird das zweite Trimenon von Hebammen als idealer Zeitraum für Reisen angesehen. Rötliche oder bräunliche Schwangerschaftsstreifen können aufgrund der Dehnung des Bindegewebes auftreten. Das Gesicht des Embryos zeigt erste Mimik, die Geschlechtsorgane werden ausgebildet und die Haare wachsen. Der Bauch der Schwangeren wird immer grösser und die ersten Bewegungen des Fötus werden jetzt spürbar.

Drittes Trimenon - oft die grösste Belastung

Im letzten Trimenon reift der Fötus vollständig heran. Währenddessen bereitet sich der Körper der werdenden Mutter auf die Geburt vor. Für die Frau kann dieser Abschnitt hauptsächlich wegen des zusätzlichen Gewichts wieder unangenehmer sein - insbesondere im Sommer. Aufgrund des hohen Austausschbedarfs an frischem Fruchtwasser können Wassereinlagerungen in Armen und Beinen zunehmen. Ab dem achten Monat können erste Vorwehen auftreten. Der Bauch verhärtet sich durch rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Ab der 35. Schwangerschaftswoche ist die Lungenreifung des Fötus abgeschlossen. Die meisten Kinder liegen nun in der richtigen Geburtslage mit dem Kopf nach unten.

Die meisten werdenden Mütter erleben ihre Schwangerschaft  ohne medizinische Probleme. Die hormonellen Umstellungen, sowie der Platzbedarf des wachsenden Kindes, können trotzdem zu meist harmlosen, aber trotzdem unangenehmen Beschwerden führen. Die Symptome sind nicht immer gleich stark ausgeprägt, da auch die Schwangerschaft bei jeder Frau unterschiedlich verläuft.

Tipps bei Beschwerden

Übelkeit

Die morgendliche Übelkeit tritt meistens nur in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten auf. Sie stellt grundsätzlich keine Gefahr dar, kann aber sehr belastend sein. Essen Sie häufig kleine Mahlzeiten. Stellen Sie sich schon abends einen kleinen Snack (Zwieback, eine Frucht, leicht gesüssten Tee) auf dem Nachttisch bereit. Probieren Sie aus welche Lebensmittel Ihnen gut tun.

Venenbeschwerden und Krampfadern

50% aller schwangeren Frauen leiden unter schweren Beinen und Füssen, die im Laufe des Tages anschwellen. Mildern Sie die Symptome durch viel Bewegung wie spazieren oder radfahren, Beinmassagen, Gymnastik und kalte Beinduschen. Tragen Sie ein kühlendes Venengel auf und legen Sie so oft wie möglich die Beine hoch. Gegen Ende der Schwangerschaft ist das Tragen von individuell angepassten Kompressionsstrümpfen sinnvoll.

Muskelkrämpfe

Vor allem in der Nacht können Sie von Muskelkrämpfen in den Waden geplagt werden. Regen Sie die Durchblutung der Beine mit warm-kalten Wechselduschen an. Auch Bewegung und Fussmassagen mit einem Igelball können helfen. Tragen Sie bequeme Schuhe, die die Zehen nicht einengen.

Rückenschmerzen

Achten Sie auf eine gute Haltung. Bei Kreuzschmerzen bringt das Abstützen vornüber auf einen Tisch sofort Entlastung. Im Bett können Sie mit Hilfe eines Stillkissens, das Sie in der Seitenlage zwischen den Beinen oder auf dem Rücken unter den Unterschenkeln plazieren, Ihrem Rücken Gutes tun. Nach einem anstrengenden Tag hilft ein warmes Bad oder die leichte Massage Ihres Partners. Regelmässiges Schwimmen und Gymnastikübungen, die Sie in der Geburtsvorbereitung lernen, sind ebenfalls zu empfehlen.

Magenbrennen

Gegen Ende der Schwangerschaft drückt das wachsende Kind von unten auf den Magen und verursacht Magenbrennen. Legen Sie das Kopfende des Bettes höher. Essen Sie öfters kleine Mahlzeiten. Trinken Sie einen Schluck kaltes Wasser oder kalte Milch.

Schwangerschaftsstreifen

Ab Mitte der Schwangerschaft treten häufig Dehnungsstreifen an Bauch, Brüsten und Oberschenkeln auf. Massieren Sie ab dem 3. Monat zur Vorbeugung täglich diese Stellen mit einer leichten Zupfmassage und einem speziellen Öl /Creme. Auch Bürstenmassagen und Wechselduschen können helfen. Gleichzeitig lindern diese Massnahmen den Juckreiz und die trockene Haut, unter welchen viele Schwangere leiden.

Körperpflege

Die Bedürfnisse Ihrer Haut und Ihrer Haare können sich in der Schwangerschaft ändern und einen Wechsel der gewohnten Produkte erfordern. Bevorzugen Sie hautfreundliche, milde Produkte, die nur schwach parfümiert sind. Bei einigen Frauen wird die Haut empfindlicher auf die Sonne und bildet Pigmentflecke. Beugen Sie mit einer Sonnenpflege mit hohem Lichtschutzfaktor vor.

Zahn- und Zahnfleischbeschwerden

In der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter entzündetem Zahnfleisch und Karies. Reinigen Sie die Zähne besonders gründlich, aber schonend. Verzichten Sie auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten und kauen Sie einen Zahnpflege Kaugummi. Achten Sie auf die Einnahme von fluorhaltigem Kochsalz. Wenn Sie unter Übelkeit leiden und oft Erbrechen müssen, spülen Sie den Mund nachher mit einer Zahnspülung und reinigen Sie die Zähne erst nach einer halben Stunde.

Hilfe aus der Apotheke oder Drogerie

Sollten unsere Tipps nicht ausreichen und die Beschwerden unangenehm werden, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Apotheke oder Drogerie. Die Fachpersonen dort, wissen nicht nur welche Medikamente und Produkte Sie in der Schwangerschaft gefahrlos anwenden dürfen, sie kennen auch die Alarmsymptome, die eine weitere Abklärung beim Arzt oder der Hebamme nötig machen.