Ratgeber / Kind & Familie

Traurig trotz Babybauch

22.10.2019 / von 

Der positive Schwangerschaftstest, der wachsende Bauch, die ersten Bewegungen des Kindes bedeuten für die meisten Frauen Glück. Einige jedoch können sich nicht freuen, obwohl sie sich ein Baby gewünscht haben. Zwischen 12 und 20 Prozent aller Frauen leiden an einer sogenannten antepartalen Depression, also einer Depression während der Schwangerschaft.

Depressionen treten mindestens ebenso häufig in der Schwangerschaft auf wie nach der Geburt. Treffen kann es jede werdende Mutter, doch junge Frauen mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen sowie Migrantinnen erkranken häufiger, genauso Frauen, die schon vor der Schwangerschaft Depressionen durchgemacht haben.

Unerkannte Depression

Kurzfristige Stimmungstiefs kennen wir alle. Typisch für eine solche depressive Verstimmung sind Traurigkeit und Niedergeschlagenheit. Betroffene schätzen ihre Situation negativ ein und sind meistens unfähig, Freude zu empfinden.

Hält die depressive Verstimmung aber länger an, kann daraus eine Depression entstehen. Depressive Schwangere haben oft Schuldgefühle, weil sie denken, sie werden keine gute Mutter sein. Zudem plagen sie irrationale Ängste und Sorgen bezüglich der Schwangerschaft und des Kindes, oder sie können dem Ungeborenen gegenüber keine Gefühle aufbauen. Depressionen gehen in der Schwangerschaft oft mit vermehrtem Unwohlsein einher. Nicht selten werden diese Symptome als normale Schwangerschaftsbeschwerden eingestuft, und die Depression bleibt unerkannt.

Die Ursachen für eine Depression sind vielfältig und von Mensch zu Mensch verschieden. Oft sind Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Überlastung oder die Schwangerschaft selbst mit ihren körperlichen Veränderungen beteiligt. «Begünstigend» für die Entwicklung einer Depression wirken genetische und biografische Vorbelastungen oder bestimmte Persönlichkeitsmerkmale.

Rechtzeitig Hilfe suchen

Was tun, wenn in der Seele der Mama in spe dunkle Wolken aufziehen? Falls Symptome auftreten, sollten sich Betroffene möglichst rasch an die behandelnde Frauenärztin, den behandelnden Frauenarzt oder an eine andere Fachperson wenden; denn das frühzeitige Erkennen ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen versprechen Lichttherapie und Psychotherapie Besserung. Zusätzlich unterstützen Massagen, Entspannungsverfahren, Yoga, Akupunktur sowie Hilfe von Familie und Freunden. Handelt es sich um eine mittelschwere bis schwere Depression, kann die Einnahme eines Antidepressivums oder sogar ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik notwendig sein. Die Taktik «abwarten und Tee trinken» ist übrigens heikel.

Es kann zwar durchaus sein, dass die Depression nach der Geburt des Babys abklingt, meist geht eine unbehandelte antepartale Depression allerdings in eine postnatale Depression über.

Annelise Rechsteiner

Annelise Rechsteiner

eidg. dipl. Drogistin

Welche pflanzlichen Mittel gibt es für depressive Schwangere?
«Es gibt diverse Pflanzen, die als spagyrische Essenz bei einer Depression in der Schwangerschaft einsetzbar sind, zum Beispiel Johanniskraut, Haferstroh, Passionsblume, Alraune, Taigawurzel, Kava-Kava, Rosa damacena, Verbena oder wilde Möhre.»

Welche anderen Heilmittel helfen?
«Ich unterstütze die Behandlung mit Urtinkturen, mit homöopathischen Q-Verdünnungen oder Schüssler Salzen.»

Wie wirkungsvoll sind diese Mittel?
«Wichtig ist, dass sie frühzeitig eingesetzt werden, also bevor sich die Schwangere in einem starken Tief befindet. Früh eingesetzt, sind Naturheilmittel sehr wirkungsvoll, ohne dass eine Gewöhnung eintritt.»

Ergänzen alternativmedizinische Mittel die schulmedizinische Therapie oder ersetzen sie diese?
«Je nach Schwere der Depression kommen sie als Ergänzung zur Anwendung. Bei frühzeitigem Erkennen des Problems kann man sehr gut nur alternativmedizinisch arbeiten.»

Wie lässt sich alternativmedizinisch einer Schwangerschafts-Depression vorbeugen?
«Mit einer positiven Lebenseinstellung, gesunder Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und Vitalstoff-Ergänzungen. Bei ersten Anzeichen einer Depression können spagyrische Essenzen helfen.»