Rauchstopp

Ratgeber / Gesundheit

Rauchstopp: Mehr Luft fürs Leben

24.04.2026 / von 

Rauchen gehört zu den grössten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. In der Schweiz greifen 24 Prozent der über 15-Jährigen zur Zigarette, dabei will jeder Zweite aufhören. Wie gelingt der Abschied von Zigaretten, Vapes oder Snus?

Ob im Ausgang am Wochenende, in Gesellschaft oder nach einem guten Essen – für manche gehört der Griff zum Glimmstängel einfach dazu. Ist Alkohol im Spiel, merkt man oft gar nicht, wie viele Zigaretten es am Abend eigentlich waren. Andere sehen im Rauchen einen vermeintlichen Stresslöser im Alltag. Dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, ist dank jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit von Gesundheitsorganisationen, Präventionsstellen und Behörden wohl bekannt – trotzdem nehmen viele die Risiken weiterhin bewusst in Kauf oder verdrängen sie. Dabei sterben laut dem Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz jährlich rund 9'500 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Doch warum ist das Aufhören so schwer? «Das beim Rauchen aufgenommene Nikotin gelangt direkt ins Gehirn und setzt Dopamin frei – den Botenstoff für Glücksgefühle», erklärt Lorena Heer, dipl. Drogistin HF und Co-Betriebsleiterin. Man fühlt sich wacher, konzentrierter und leistungsfähiger. Doch das gute Gefühl hält nicht lange an, und bald verlangt der Körper Nachschub. «Dabei werden immer mehr Rezeptoren gebildet, wodurch das Rauchverlangen steigt und man letztlich nie genug bekommt», führt die Expertin aus. Der Hauptanteil der Schadstoffe aus Nikotinprodukten entsteht durch die Verbrennung von Tabak. Im Tabakrauch sind laut Lungenliga Schweiz über 4'000 verschiedene Einzelsubstanzen enthalten, mindestens 40 davon sind krebserregend für den Menschen. Die Giftstoffe gelangen beim Inhalieren in die Lunge und von dort über das Blut in den ganzen Körper. Dabei steigen Puls und Blutdruck. Häufige Folgen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs sowie Atemwegserkrankungen.

Vapes, E-Zigaretten und Snus

Heutzutage greifen vor allem viele junge Raucherinnen und Raucher zu vermeintlich «gesünderen» und tabakfreien Alternativen wie Vapes oder E-Zigaretten. Besonders bei jungen Menschen sind sie beliebt, weil sie in trendiger Verpackung und in zahlreichen aromatischen Geschmacksrichtungen erhältlich sind. Statt Tabak wird ein Liquid erhitzt, das aus Nikotin, Aromen und Glycerin besteht. «Beim Erhitzen können jedoch toxische Stoffe wie Formaldehyd entstehen. Auch feine Partikel oder Metalle gelangen in die Lunge, die gesundheitliche Risiken bergen», erklärt Heer. Trügerisch ist, dass der fruchtige Dampf den lästigen Tabakgeruch ersetzt und dazu verleitet, schnell zwischendurch einige Züge zu nehmen – was den Nikotinkonsum noch steigert. Ähnlich irreführend sind tabakhaltige Produkte wie Snus. Die kleinen Beutel aus getrocknetem, gemahlenem Tabak, Salzen und Aromen werden zwischen Oberlippe und Zahnfleisch geklemmt, wo das Nikotin schnell über die Mundschleimhaut ins Gehirn gelangt. Regelmässiger Konsum kann zu Leukoplakien führen, krankhaften Veränderungen der Schleimhaut, die sich zu Krebs entwickeln können. Zudem enthält ein Beutel oft mehr Nikotin als eine einzelne Zigarette. Sie sind daher kein geeignetes Mittel, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Für die Nikotinentwöhnung gibt es keinen Königsweg, jedoch viele verschiedene Möglichkeiten. Besonders zu Beginn ist das Verlangen durch die zusätzlichen Rezeptoren stark. «Bei einem Rauch-Snus-Vape-Stopp kann es hilfreich sein, mit Nikotin-Ersatzprodukten wie Pflaster, Lutschtabletten, Kaugummis oder Sprays die Nikotinmenge langsam zu reduzieren», empfiehlt die Drogistin. Die Ersatzprodukte sollten an die bisherige Nikotinmenge angepasst sein. «Nikotin beeinflusst unter anderem Konzentration, Stoffwechsel und Stressresistenz», erklärt Lorena Heer. Je nach individuellem Rauchgrund können unterstützend pflanzliche, entspannende Mittel, Bitterstoffe zur Anregung des Stoffwechsels und Regulierung des Essverhaltens oder ein stresslindernder Spagyrikspray eingesetzt werden. Welche Mittel passend sind, stimmen unsere Fachpersonen in einem persönlichen Beratungsgespräch ab.

Gerade in stressigen Situationen ist die Versuchung gross. «Manchmal hilft es, eine innere Routine zu entwickeln – Atemtechniken, Entspannungsmeditation oder das bewusste Visualisieren der eigenen Ziele», sagt die Expertin. Das Abgewöhnen braucht Zeit, lohnt sich aber in jedem Fall. Schon nach wenigen Tagen lassen Symptome wie Atemwegsreizungen nach, und nach einigen Monaten sind sie meist vollständig verschwunden. Auch das Herz profitiert: Ein Jahr nach dem Rauchstopp ist das Risiko für einen Herzinfarkt halb so hoch wie bei Rauchern, nach 15 Jahren liegt es auf dem Niveau von Nichtrauchern. Das Risiko für Lungenkrebs halbiert sich nach etwa zehn Jahren. Wichtig ist dabei: «Dranbleiben und Geduld haben. Erfolge bewusst wahrnehmen, Ziele visualisieren und sich täglich positiv bestärken – das stärkt den Glauben an sich selbst.» Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Auch das eigene Portemonnaie freut es, wenn man die Nikotinsucht reduziert.

Weltnichtrauchertag

Am 31. Mai macht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich auf die gesundheitlichen Risiken von Rauchen und Nikotinkonsum aufmerksam und rückt die Folgen des Tabakkonsums ins öffentliche Bewusstsein. Das diesjährige Motto lautet: «Unmasking the appeal – countering nicotine and tobacco addiction», zu Deutsch: «Die Attraktivität aufdecken – Nikotin- und Tabakabhängigkeit entgegenwirken». Die WHO möchte damit die gängigen Strategien der Tabak- und Nikotinindustrie sichtbar machen, mit denen insbesondere Jugendliche als Zielgruppe angesprochen werden, darunter unter anderem den Einsatz von Aromen und Zusatzstoffen und täuschendes Produktdesign.