Narben sind mehr als sichtbare Hautveränderungen. Sie zeigen, wie der Körper heilt. Eine frühzeitige Pflege kann ihr Erscheinungsbild deutlich verbessern. Im besten Fall bleibt am Ende nur eine hauchdünne Linie zurück.
Ob nach einer Verletzung, einer Operation, einem Unfall oder als Folge von Akne: Narben entstehen, wenn die Haut bis zur zweiten Hautschicht – der Dermis – verletzt wird. Sie sind kein Fehler des Körpers, sondern ein Zeichen seiner Reparaturfähigkeit. Denn Narben sind Teil eines komplexen biologischen Prozesses, mit dem die Haut ihre Schutzfunktion wiederherstellt. Die Wundheilung der Haut verläuft dabei in mehreren Phasen. Unmittelbar nach einer Verletzung schliesst der Körper die Wunde, stoppt Blutungen und setzt das Immunsystem in Gang. Im Zuge der Wundheilung bildet sich sogenanntes Ersatzgewebe, das vor allem aus Kollagenfasern besteht – einem Eiweiss, das im menschlichen Bindegewebe vorkommt. Dieses Gewebe ist nicht mit gesunder Haut zu vergleichen. Denn Narben verfügen weder über Haare noch über Schweiss- oder Talgdrüsen. Da zudem die für die Pigmentierung verantwortlichen Melanozyten zunächst fehlen, sind Narben meist heller als die umliegende Haut und heben sich sichtbar von ihr ab. Sie entstehen meist aus Schnitt- und Schürfwunden, Verbrennungen, operativen Eingriffen oder entzündlichen Hauterkrankungen. Auch genetische Faktoren, das Alter der Haut und die Körperstelle spielen eine Rolle. So neigt die Haut beispielsweise im Brust- und Schulterbereich eher zu auffälligen Narben als etwa an den Beinen. Frische Narben sind oft gerötet oder leicht geschwollen, da die Durchblutung erhöht ist und die Heilung auf Hochtouren läuft. Mit fortschreitender Reifung können sie verblassen und heller werden. So erscheinen manche Narben weisslich, andere hingegen dunkler als die umliegende Haut. Letzteres tritt besonders dann auf, wenn es zu einer Überpigmentierung kommt, beispielsweise durch Sonneneinstrahlung auf ungeschützte Haut.
Heilung braucht Geduld
Eine gezielte Pflege kann den Heilungsverlauf positiv beeinflussen. Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt. Bei einer frischen, offenen Wunde ist die Reinigung zentral. Die Wunde sollte sauber gehalten und vor Keimen geschützt werden, um Infektionen und Entzündungen zu vermeiden. Auch Gelkompressen oder spezielle Wundauflagen eignen sich, um die Wundheilung zu unterstützen. Pflegeprodukte sollten nur angewendet werden, wenn sie ausdrücklich für offene Wunden geeignet sind. Sobald die Wunde geschlossen ist, beginnt die frühe Phase der Narbenpflege. Jetzt geht es darum, die Haut geschmeidig zu halten und die Regeneration zu unterstützen. Leichte und allgemein gut verträgliche Produkte können helfen, Spannungsgefühle zu reduzieren und die Hautelastizität zu fördern. Wirk- und Inhaltsstoffe wie Silikone, Dexpanthenol, Heparin und feuchtigkeitsspendende Öle halten das Gewebe feucht und elastisch und helfen, überschiessendes Wachstum zu hemmen. Wichtig ist, dass die Narbe nicht aufgekratzt oder durch scheuernde Kleidung gereizt wird.
In der Phase der reifenden Narbe, die sich über Monate ziehen kann, gewinnt die gezielte Pflege weiter an Bedeutung. Silikongels haben sich bewährt, um Rötungen zu mindern und das Narbenbild zu verbessern. Auch mit sanften Kreisbewegungen durchgeführte Gleitmassagen können bei vollständig verheilter Haut sinnvoll sein, da sie die Durchblutung fördern und das Gewebe geschmeidiger machen. Wie oft massiert wird, richtet sich nach der Empfindlichkeit der Haut und ist individuell. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiss sowie vitaminreichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse oder Fisch bringt die Heilung in Schwung. Auf körperliche Belastung und Sport sollte in den ersten Wochen jedoch verzichtet werden, da das Gewebe noch empfindlich ist. Nikotin und Alkohol können die Durchblutung beeinträchtigen, weshalb deren Konsum möglichst reduziert werden soll.
Schutz und Pflege im Alltag
Bei der Narbenpflege kommen Salben, Cremes, Gels und Pflaster zum Einsatz. Reichhaltige Salben eignen sich besonders für frische oder trockene Narben. Cremes mit einem ausgewogenen Wasser-Öl-Verhältnis sind angenehm in der Anwendung und eignen sich bei normaler bis trockener Haut. Gels haben eine kühlende Wirkung und werden gerade in der Anfangszeit als wohltuend empfunden. Wer auf antioxidative, feuchtigkeitsspendende und regenerationsfördernde Inhaltsstoffe setzt, fährt meist am besten. Dazu zählen Vitamine wie C und E zur Unterstützung der Kollagenbildung und zur Milderung von Pigmentveränderungen sowie Urea, Panthenol und Aloe Vera, die die Haut beruhigen, hydratisieren und die Hautschutzbarriere stärken. Ganz wichtig ist der UV-Schutz – ein fester Bestandteil jeder Hautpflegeroutine, das ganze Jahr über.
Besonders helle Narben reagieren schnell mit Pigmentveränderungen. Ein konsequenter Schutz vor UV-Strahlen ist entscheidend, um dauerhafte Verfärbungen zu vermeiden. Bei stark wuchernden oder sehr verhärteten Narben lohnt sich eine Abklärung beim Dermatologen – oft ist eine gezielte Behandlung notwendig, um das Narbenbild zu verbessern. Alle Narben haben jedoch eines gemeinsam: Sie brauchen Geduld. Sie entwickeln sich über Wochen und Monate, heilen Schritt für Schritt und verändern ihr Aussehen. Mit fachgerechter Pflege lässt sich das Narbenbild zwar positiv beeinflussen, vollständig verschwinden sie aber in den seltensten Fällen.
Richtig abdecken
Wer Narben kaschieren möchte, ist mit kosmetischen Tricks gut beraten. Wichtig dabei ist, dass sogenannte Camouflage-Produkte nur auf vollständig verheilten Narben angewendet werden, also keinesfalls auf noch frischen Wunden. Camouflage-Make-ups sind stark deckend und halten lange. Meist sind sie wasser- und wischfest und eignen sich daher auch für den Alltag. Farbkorrigierende Concealer können zusätzlich helfen, Rötungen oder dunkle Pigmentierungen auszugleichen. Grün neutralisiert Rottöne der Haut, während apricot- oder orangefarbene Nuancen dunklen Verfärbungen entgegenwirken. Für ein natürliches Ergebnis wird das Produkt sanft eingeklopft und anschliessend mit einem Puder fixiert. Auch hier gilt: Die Haut sollte immer vor der Sonne geschützt sein.

Albana Bekaj-Musa
Dipl. Drogistin HF und Betriebsleiterin
Welche Inhaltsstoffe haben sich in der Narbenpflege bewährt?
Ich kann Silikongels empfehlen. Sie versorgen das Gewebe mit Feuchtigkeit, halten es weich und tragen zu einem gleichmässigeren Narbenbild bei. Kollagen und Hyaluronsäure helfen, eingefallenes Narbengewebe aufzubauen. Ergänzend unterstützen pflanzliche Substanzen wie Ringelblume die Wundheilung sowie pflegende Öle, etwa Aprikosenkernöl.
Ab wann darf eine Narbe massiert werden?
Bei Operationsnarben geben Ärztin oder Arzt den Zeitpunkt vor. Grundsätzlich gilt: Die Wunde muss vollständig geschlossen und es dürfen keine Fäden mehr vorhanden sein. Je früher gepflegt wird, desto besser lässt sich das Gewebe beeinflussen. Entscheidend ist, dranzubleiben und die Narbe etwa dreimal täglich einzucremen und zu massieren.
Kann man die Narbenbildung aktiv beeinflussen oder ist sie genetisch bedingt?
Beides. Ein Teil der Narbenbildung ist den Genen geschuldet. Gleichzeitig lässt sich das Narbenbild durch einen gesunden Lebensstil und eine gezielte Pflege positiv beeinflussen.
Welche Fehler beobachten Sie bei der Narbenpflege am häufigsten?
Oft werden schnelle Ergebnisse erwartet, dabei braucht Narbenheilung Geduld. Obwohl die Motivation zu Beginn gross ist, lässt sie mit der Zeit nach. Das betrifft sowohl die regelmässige Pflege als auch den unerlässlichen UV-Schutz.