Wundversorgung

Ratgeber / Gesundheit, Kind & Familie

Kleine Wunden gut versorgt

26.06.2023 / von 

Sommerliche Ausflüge können abenteuerlich sein – inklusive kleiner Verletzungen. Welche sind die häufigsten und wie kann man sie am besten verarzten?

Ein sonniger Wandertag, ein gemütlicher Städtetrip oder ein Nachmittag in der Badi – eine unachtsame Bewegung und schnell ist jemand gestürzt oder hat sich sonst eine kleine Verletzung zugezogen. Mit der richtigen Ausrüstung kann man die Situation schnell entschärfen und eine effiziente Erstversorgung leisten. Sind Kleinkinder betroffen, ist es zudem wichtig, Ruhe zu bewahren, Trost zu spenden und zu zeigen, dass schnell etwas unternommen wird.

Schürf- und Schnittwunden

Die Nummer eins bei Verletzungen während Ausflügen – insbesondere bei Kindern – sind ein blutendes Knie oder ein aufgeschrammter Ellenbogen. Bei Schürfwunden sollte man darauf achten, dass die offene Stelle zuerst gut gereinigt wird, etwa mit einer befeuchteten Gaze. Anschliessend braucht es eine Desinfektion und eine sterile Abdeckung. Dazu eignen sich Gelkompressen oder Hydrogel-Pflaster, weil sie für eine feuchte Umgebung sorgen und die Wundheilung fördern.

Beim Picknick mit dem Taschenmesser ausgerutscht und den Finger erwischt? Schnittwunden zeichnen sich meistens durch eine sofort eintretende, kurze Blutung aus. Diese mag zuerst zwar erschrecken, erfüllt aber einen positiven Zweck, weil sie die Wunde reinigt. Danach gilt es, die Wunde zu desinfizieren. Je nach deren Länge ist auch ein Zusammenkleben mit Wundverschlussstreifen empfehlenswert. Schliesslich deckt man – je nach Grösse – die Stelle mit einem Pflaster oder einer Wundauflage ab. Schnitte, die tief sind oder mit einem verunreinigten Gegenstand zugefügt wurden oder sich an heiklen Stellen wie im Gesicht oder nahe an Gelenken befinden, sollen ärztlich untersucht und müssen versorgt und unter Umständen genäht werden.

Blasen und Stiche

Drückende Wanderschuhe oder scheuernde Flip-Flops: Blasen an den Füssen gehören ebenfalls zu den stetigen, wenn auch unerwünschten Begleitern auf Tagesausflügen. Hier schützt man die gerötete Stelle am besten schon bei den ersten Anzeichen mit einem Anti-Blasen-Stick oder Gelpflaster. Letzteres lässt sich auch auf bereits mit Flüssigkeit gefüllte Blasen aufkleben. Die Wundheilung wird dadurch nicht beeinträchtigt, sondern sogar unterstützt. Man sollte aber unbedingt warten, bis sich das Pflaster von selbst ablöst, damit die nachwachsende Haut darunter nicht beschädigt wird. Handelt es sich um eine offene Wunde, desinfiziert man diese zuerst und deckt diese anschliessend mit einer nicht wundverklebenden Gazekompresse ab.

Auch Insektenstiche sind unterwegs keine Seltenheit. Falls nötig, entfernt man in einem ersten Schritt den Stachel mit einer Pinzette, danach desinfiziert man die Stelle und trägt ein kühlendes Gel auf, um die Schwellung zu bekämpfen.

Verstauchungen und Prellungen

Einen Moment nicht aufgepasst und schon ist der Knöchel verknackst oder eine Beule prangt auf der Stirn. Dann ist erst einmal eine kleine Ruhepause angesagt. Die betroffene Stelle muss gekühlt und möglichst hochgelagert werden, um Blutergüsse und Schwellungen einzudämmen. Zudem kann ein kühlendes Gel mit Wallwurz helfen, das schmerzstillend und entzündungshemmend ist.

Insbesondere bei stumpfen Verletzungen ist zu beachten, dass bei starken Schwellungen oder Schmerzen sowie lang anhaltendem Schwindel eine ärztliche Untersuchung ratsam ist. Aber auch bei den anderen Verletzungen gilt: Wenn die Beschwerden trotz sorgfältiger Weiterpflege daheim nach ein paar Tagen nicht abklingen oder gar zunehmen, lohnt es sich, sich von Fachpersonen in der Drogerie oder Apotheke beraten zu lassen. Wenn sich eine Wunde entzündet, ist der Gang zu einer Ärztin oder einem Arzt notwendig.

Philipp Meyer
Wenn korrektes Desinfizieren nicht möglich ist, reinigt man die Wunde lieber mit sauberem Wasser als gar nicht.

Philipp Meyer

Dipl. Drogist HF und Inhaber einer Drogerie

Welche Top-3-Produkte dürfen bei einem Familienausflug im Erste-Hilfe-Set nicht fehlen?

Unbedingt einpacken sollte man einen Wunddesinfektionsspray, eine nicht verklebende Wundauflage sowie etwas zur Befestigung wie Vlies-Klebestreifen oder eine selbsthaftende Gazebinde. Bei etwas mehr Platz empfehle ich dazu noch ein kühlendes Gel, Wundverschlussstreifen und eine etwas stärkere Mittelzugbinde. Homöopathische Arnika-Globuli helfen gut bei akuten Verletzungen, denn sie beschleunigen die Heilung von innen und haben einen beruhigenden Effekt.

Was kann man als Eltern tun, um das Kind bei einer Verletzung schnell zu beruhigen?

Beruhigen und gutes Zureden sind am besten. Zusätzlich können ein spagyrischer Spray mit pflanzlichen Essenzen oder homöopathische Arnika- oder Verletzungskügeli zum Einnehmen hilfreich sein.

Wenn man mal kein Wunddesinfektionsmittel zur Hand hat, greifen viele einfach zu Wasser. Ist das sinnvoll?

Wenn korrektes Desinfizieren nicht möglich ist, reinigt man die Wunde lieber mit sauberem Wasser als gar nicht.

Was gilt es zur Haltbarkeit und Aufbewahrung von Gels, Verbänden und Co. zu zu beachten?

Hier empfehle ich, bei originalverschlossenen Gels das Verfallsdatum und bei bereits geöffneten Packungen die Aufbrauchfrist zu beachten. Einige Produkte können etwas länger haltbar sein, wenn man sie gut verpackt und an einem trockenen, lichtgeschützten Ort bei Raumtemperatur aufbewahrt. Im Zweifelsfall beraten wir Sie gerne.