Hirnschlag

Ratgeber / Gesundheit

Hirnschlag: Warnsignale früh erkennen

24.03.2026 / von 

Ein Schlaganfall kann jede Person treffen. Je schneller die Hilfe kommt, umso besser können lebenswichtige Hirnfunktionen geschützt werden.

Ein Schlaganfall, in der Schweiz häufig auch Hirnschlag oder Schlägli genannt, gilt immer als akuter medizinischer Notfall. Die Bezeichnungen können unterschiedlich sein, sie beschreiben aber alle das gleiche Geschehen: Teile des Gehirns erhalten plötzlich zu wenig Blut. Ursache für diese Störung kann entweder ein verstopftes Gefäss oder eine Blutung im Gehirn sein. Es gibt auch vorübergehende Störungen, sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIA). Die Symptome klingen hier zwar rasch wieder ab, jedoch sind sie ein ernst zu nehmendes Warnsignal und sollten stets medizinisch abgeklärt werden, da sie einem Schlaganfall vorausgehen können.

In der Schweiz erleiden jährlich rund 16'000 Menschen einen Schlaganfall. Betroffen sind vor allem ältere Personen. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 75 Jahren. Dennoch trifft es keineswegs nur Seniorinnen und Senioren. Rund ein Viertel aller Betroffenen ist jünger als 65 Jahre, und auch bei jungen Erwachsenen kann ein Schlaganfall vorkommen. Ein ungesunder Lebensstil, Bewegungsmangel, Rauchen, hoher Blutdruck oder Diabetes erhöhen das Risiko unabhängig vom Alter. Dazu kommen mögliche Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, bei denen Blutgerinnsel im Herzen entstehen und ins Gehirn gelangen können. Viele wissen nicht, dass Faktoren wie Stress, Schlafmangel oder starkes Übergewicht das Risiko im Alltag schleichend erhöhen können.

Jede Sekunde zählt

Bei rund fünf von sechs Betroffenen ist ein Blutgerinnsel der Auslöser. Dieser sogenannte ischämische Schlaganfall führt zu einer abrupten Unterversorgung des betroffenen Hirnareals. In den übrigen Fällen entsteht der Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn. Das austretende Blut erhöht den Druck im Schädel und schädigt ebenfalls Nervenzellen. In beiden Fällen verlieren die betroffenen Regionen innerhalb von Minuten ihre Funktionsfähigkeit, weil die Durchblutung ausbleibt. Gehirnzellen sterben rasch ab und können nicht ersetzt werden. Darum zählt jede Sekunde.

Die typischen Symptome treten meist ohne Vorwarnung auf. Häufig wird eine Körperseite plötzlich schwach oder taub. Ein Mundwinkel kann hängen, die Gesichtshälfte wirkt asymmetrisch. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, Worte zu finden, oder sie verstehen plötzlich nicht mehr, was gesagt wird. Auch plötzlich eintretende Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Schwindel oder starke Kopfschmerzen können Anzeichen eines Schlaganfalls sein. Da diese Symptome sehr unterschiedlich ausfallen können, werden sie manchmal zunächst unterschätzt. Doch jede Verzögerung verschlechtert die Prognose erheblich. Schon wenige verlorene Minuten können darüber entscheiden, ob Betroffene später selbstständig leben können oder lebenslang auf Unterstützung angewiesen sind.

Bei Verdacht: Rettungsdienst!

Sobald sich ein Verdacht erhärtet, muss sofort der Rettungsdienst verständigt werden. In der Stroke Unit, der Abteilung für Schlaganfälle, entscheiden Fachärztinnen und Fachärzte über die geeignete Therapie. Bei einem Gefässverschluss kann ein Medikament verabreicht werden, welches das Gerinnsel auflöst. Reicht das nicht, kann das Gerinnsel mit einem Katheter mechanisch entfernt werden. Bei einer Hirnblutung geht es darum, den Druck zu senken und die Blutung zu stoppen. Viele Behandlungen sind nur in den ersten Stunden erfolgversprechend. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Betroffene möglichst schnell in eine spezialisierte Klinik gelangen.

Nach der Akutbehandlung beginnt die Rehabilitation, die oft mehrere Monate dauert. Physiotherapie hilft, eingeschränkte Bewegungsabläufe wiederaufzubauen. In der Ergotherapie stärken Patientinnen und Patienten ihre Alltagsfähigkeiten wie Ankleiden, Kochen oder Schreiben. Sprachtherapie unterstützt Betroffene, die Schwierigkeiten mit der Sprache oder dem Verstehen haben. Auch psychologische Unterstützung kann sinnvoll sein, da viele Betroffene zusätzlich mit Ängsten, Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen zu kämpfen haben.

Nicht selten leiden Menschen nach einem Schlaganfall an Fatigue, einer ausgeprägten Form der Müdigkeit, die den Alltag stark belasten kann. Langfristig gesehen ist entscheidend, dass Betroffene und Angehörige lernen, den Alltag gemeinsam neu zu strukturieren.

Gesunder Lebensstil

Obwohl einige Menschen wieder vollständig gesund werden, behalten viele langfristige Einschränkungen. Das zeigt, wie einschneidend die Folgen eines Schlaganfalls sein können. Trotzdem lässt sich das Risiko deutlich reduzieren. Wer regelmässig in Bewegung bleibt, stärkt Herz und Gefässe und beugt Übergewicht vor. Besonders wirkungsvoll ist ein aktiver Alltag mit häufigem Gehen oder Velofahren. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Eine mediterrane Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Nüssen, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen ist, wirkt sich positiv auf die Gefässgesundheit aus. Fisch ein- bis zweimal pro Woche wird empfohlen, hoch verarbeitete Wurstwaren sollten hingegen nur sparsam gegessen werden. Wichtig ist zudem, auf das Rauchen zu verzichten und Alkohol sowie stark gesüsste Getränke zu reduzieren.

Ergänzend dazu sind regelmässige Gesundheitskontrollen entscheidend, denn hoher Blutdruck, erhöhte Blutzuckerwerte oder hohe Cholesterinwerte verursachen lange Zeit keine Beschwerden, können aber das Schlaganfallrisiko massiv erhöhen. Entscheidend bleiben ein gesunder Lebensstil und konsequente Vorsorge, damit das Risiko langfristig so gering wie möglich bleibt.

Schlaganfall früh erkennen: FAST-Test

Face (Gesicht): Hängt ein Mundwinkel herab? Wirkt eine Gesichtshälfte schlaff?
Arms (Arme): Fällt ein Arm beim Heben nach unten oder fühlt sich schwach an?
Speech (Sprache): Ist die Sprache undeutlich oder unverständlich (verwaschen)?
Time (Zeit): Keine Zeit verlieren – Notruf absetzen!

Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall?

Bei Verdacht muss sofort der Notruf 144 gewählt werden. Notieren Sie die Uhrzeit der ersten Symptome, da sie für die spätere Behandlung entscheidend sein kann. Die betroffene Person darf nicht allein gelassen werden. Sprechen Sie ruhig mit ihr und bleiben Sie in unmittelbarer Nähe. Geben Sie ihr weder zu trinken noch zu essen. Auch dann nicht, wenn die Person danach verlangt. Es besteht die Gefahr des Verschluckens.

Lockern Sie enge Kleidung, damit die Atmung erleichtert wird. Eine allfällige Zahnprothese darf vorsichtig entfernt werden, damit sie sich nicht löst und die Atemwege blockiert. Bringen Sie die Person in eine stabile Position und beobachten Sie Veränderungen ihres Zustands aufmerksam, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Timur Cetintas
Ein Cardio-Check zeigt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Timur Cetintas

Apotheker und Betriebsleiter

Welche Services bietet die Apotheke speziell für Menschen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko an?

Die wichtigste Dienstleistung ist der Cardio-Check, der in ausgewählten Apotheken angeboten wird. Er zeigt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. Der Check umfasst einen Fragebogen sowie Messungen von Bauchumfang, Blutdruck, Blutfetten sowie Blutzucker oder Langzeitblutzucker HbA1c. Daraus entsteht ein persönliches Risikoprofil. Auf dieser Basis erhalten Kundinnen und Kunden Empfehlungen zu Lebensstiländerungen und – wenn angezeigt – zur ärztlichen Abklärung.

Worauf müssen Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten bei der Einnahme von Medikamenten achten?

Nach einem ischämischen Schlaganfall wird meist ein Blutverdünner eingesetzt, um das Risiko eines erneuten Ereignisses zu senken. Dadurch steigt jedoch das Blutungsrisiko. Betroffene müssen darüber informiert sein und bei Verletzungen ärztliche Hilfe suchen. Zusätzlich werden Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmässig kontrolliert und bei Bedarf behandelt.

Was sollten Angehörige wissen, wenn ein Betroffener aus der Reha kommt?

Entscheidend ist eine gesicherte Weiterversorgung. Ziel ist es, die grösstmögliche Selbstständigkeit zu erreichen. Da jeder Schlaganfall anders verläuft, braucht es ein individuell abgestimmtes Vorgehen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Angehörigen, Pflegeteams, Ärzten und Therapeutinnen. Je nach Einschränkungen kann auch eine 24-Stunden-Betreuung notwendig sein.