Der Weg vom Mädchen zur jungen, selbstbewussten Frau ist kein leichter: Körperliche Veränderungen sorgen für Verunsicherung und die Gefühlswelt gerät durcheinander. Wie Eltern unterstützen können.
Wenn die Lieblingsjeans nicht mehr so sitzt wie gewohnt, die Brust spannt und die Stimmung schwankt, dann kann es sein, dass sich bei Mädchen die Pubertät ankündigt. Das geschieht meistens zwischen dem 8. und dem 13. Lebensjahr – im Durchschnitt mit elf Jahren und somit zwei Jahre früher als bei den Jungen. Der natürliche, aber intensive Umbruch verändert sowohl den Körper als auch die Gefühlswelt stark. Initiiert wird der Prozess im Gehirn, wenn die Hirnanhangdrüse den Eierstöcken das Signal gibt, die Hormonproduktion anzukurbeln.
Wenn die Weiblichkeit sich entfaltet
Bei den Mädchen macht sich die beginnende Pubertät mit dem Wachstum der Brüste bemerkbar. Viele Mädchen spüren dabei ein Ziehen in der Brustregion – ein Zeichen, dass das Drüsengewebe aktiv wird. Es ist möglich, dass die Brüste unterschiedlich schnell wachsen und eine Brust vorübergehend grösser ist als die andere. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Meistens gleicht sich das im Laufe der Zeit wieder aus. Auch die Körperbehaarung beginnt langsam zu wachsen, zuerst im Schambereich, dann unter den Achseln.
Mit Beginn der Pubertät setzt typischerweise ein grosser Wachstumsschub ein und die Figur der Mädchen verändert sich. Hüften und Oberschenkel werden runder, das Becken breiter. Der Körper wird insgesamt weicher und weiblicher. Diese Veränderungen sind Ausdruck des steigenden Östrogenspiegels – er sorgt dafür, dass sich Fettgewebe anlagert und der Körper für eine spätere Schwangerschaft vorbereitet wird. Die vermehrte Hormonproduktion hat auch zur Folge, dass die Haut fettiger wird und zu Akne neigt.
Der Beginn der Fruchtbarkeit
Ein einschneidender Moment für die heranwachsenden Frauen ist der sogenannte Weissfluss, ein milchig-weisser Ausfluss. Er ist das Zeichen dafür, dass die Geschlechtsorgane aktiv geworden sind und in den Eierstöcken erste Follikel heranwachsen. Die erste Regelblutung, die sogenannte Menarche, setzt bei den meisten Mädchen etwa zwei Jahre nach Beginn des Brustwachstums ein – im Durchschnitt mit 13 Jahren. Zu Beginn sind die Blutungen noch unregelmässig und es dauert zwei bis fünf Jahre, bis sich alles eingependelt hat und die Zyklen regelmässig werden.
Das Eintreten der Menstruation ist für junge Mädchen manchmal mit negativen Gefühlen oder gar Scham verbunden. Offene, sachliche Gespräche über den weiblichen Zyklus, die passenden Hygieneprodukte und allfällige körperliche und seelische Beschwerden können ihnen den Umgang mit der Regelblutung erleichtern. Eltern sollten spätestens jetzt mit ihren Töchtern über das Thema Verhütung sprechen. Denn mit dem ersten Eisprung sind diese auch geschlechtsreif.
Mit 15 Jahren ist das Hauptwachstum bei den meisten Mädchen abgeschlossen. Doch jedes Mädchen entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Manche bekommen ihre erste Periode bereits mit elf Jahren, während andere erst mit 13 Jahren langsam in die Pubertät kommen.
Auf der Achterbahn der Gefühle
Die pubertäre Entwicklung beschränkt sich nicht auf den Körper. Im Gehirn finden ebenfalls viele Veränderungen statt. Diese haben Einfluss auf die Stimmung und den Antrieb der jungen Frauen. Sie reagieren in dieser Phase oft emotionaler, impulsiver und empfindlicher. Stimmungsschwankungen sind relativ häufig. Während manche Pubertierende sich zurückziehen, suchen andere verstärkt Nähe. Manchmal geschieht auch beides im Wechsel. Neben der Identitätsentwicklung sorgen bei den heranwachsenden Frauen auch die körperlichen Veränderungen wie das Brustwachstum und die Fettumverteilung zu Unsicherheit und Unwohlsein mit dem eigenen Körper. Die Pubertätsentwicklung wird von den Jungs, die durch das Testosteron vor allem Muskeln aufbauen, oft positiver wahrgenommen als von den Mädchen. Diese Erkenntnis hilft, die Mädchen besser zu verstehen und zu unterstützen.
Töchter durch die Pubertät begleiten
Wenn die Jugendlichen in die Pubertät kommen, ändert sich auch die Familiendynamik. Eltern müssen akzeptieren, dass ihre Töchter nicht mehr alles mit ihnen teilen wollen und dass ihnen manchmal auch die Worte fehlen, um sich auszudrücken. Freunde rücken immer mehr in den Fokus und werden zu wichtigen Meinungsbildnern. Der Wunsch nach Akzeptanz bei Gleichaltrigen ist gerade bei Mädchen enorm. Sie vergleichen sich viel stärker mit anderen, als Jungs es tun. Diese Ablösung von den Eltern führt häufig zu Konflikten, die aufgrund der hormonellen Schwankungen auch mal hitzig sein können.
In dieser Phase ist es wichtig, dass Eltern sich der körperlichen und emotionalen Veränderungen, die mit der Pubertät einhergehen, bewusst sind und die Stimmungsschwankungen ihrer Teenager nicht persönlich nehmen. Sie können Mitgefühl zeigen und den Töchtern signalisieren, dass sie ein offenes Ohr für ihre Probleme haben. Gleichzeitig sorgt eine klare, wertschätzende Haltung in dieser turbulenten Zeit für Orientierung. Eltern bleiben wichtige Pfeiler im Leben ihrer Töchter. Geduld, Humor und Offenheit sind jetzt wertvoller als Perfektion und Zuhören wichtiger als das Erteilen von Ratschlägen.

Claudia Katschnig
Pädiatrische Endokrinologin, Pädiatrisch-Endokrinologisches Zentrum Zürich
Warum sind junge Frauen besonders anfällig für Körperunzufriedenheit und Essstörungen?
Die Ursachen liegen in einer Kombination von biologischen, psychologischen und kulturellen Faktoren. Hauptgründe sind die nicht immer positiv wahrgenommenen Körperveränderungen in der Pubertät und die gesellschaftlichen Schönheitsideale, die auch heute noch stärker auf Frauen als auf Männern lasten.
Welche Rolle spielen Social Media dabei?
Es ist mittlerweile gut erforscht, dass soziale Medien eine grosse Rolle bei der Entstehung von Essstörungen spielen. Die Nutzung sozialer Medien verstärkt bei Mädchen, die sich ohnehin in einer sehr vulnerablen Phase befinden, häufig die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körperbild. Zudem erhöht sie das Risiko, ein problematisches Essverhalten zu entwickeln.
Wie können Eltern bei diesem schwierigen Thema unterstützen?
Wenn die Tochter mit dem eigenen Körper hadert, ist es zuerst wichtig, eine Umgebung zu schaffen, in der das Selbstwertgefühl unabhängig vom Aussehen gestärkt wird. Eltern sollten ausserdem ein positives Körperbild vorleben und nicht in Anwesenheit der Kinder ihr eigenes Selbst oder andere kritisieren. Im Umgang mit Medien gilt es, Medienkompetenz zu fördern und über unrealistische Schönheitsideale in sozialen Medien zu sprechen. Wenn sich die Probleme mit dem Körperbild verschlimmern oder gar Anzeichen einer Essstörung bestehen, sollte man professionelle Hilfe anbieten.