trockene Augen

Ratgeber / Gesundheit

Hilfe bei trockenen Augen

24.09.2026 / von 

Trockene, gereizte und tränende Augen sind unangenehm und treten gerade in der kalten Jahreszeit häufiger auf. Bleibt der Tränenfilm – der natürliche Schutzmantel – intakt, bleibt auch die Augenoberfläche gesund.

Ein kurzer Blick aufs Handy, aus dem Fenster oder ins Gesicht des Gegenübers – schnell ergibt sich ein klares Bild: die Nachricht auf dem Bildschirm, das verfärbte Laub oder das Lächeln des Partners. Dass dies möglich ist, verdanken wir einem komplexen Zusammenspiel im Auge: Licht tritt durch die Hornhaut auf der Vorderseite des Auges und die Linse ein, wird gebrochen und gebündelt und dann auf die Netzhaut projiziert. Dort werden die Lichtstrahlen in elektrische Signale umgewandelt und über den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet, wo das eigentliche Bild entsteht.

Zum Sehapparat gehören neben dem Augapfel auch Augenmuskeln, Augenlider, der Sehnerv und der Tränenapparat. «Besonders empfindlich ist die Augenoberfläche mit der Hornhaut, denn dort hat es viele Nervenenden», sagt Fiona Koch, Apothekerin und Betriebsleiterin. «Sie muss feucht bleiben, damit das Auge gut geschützt ist, mit Nährstoffen versorgt wird und scharfes Sehen möglich ist.» Das ist ähnlich wie bei einer Windschutzscheibe: Ohne Flüssigkeit bleibt Schmutz haften und es entstehen Schlieren. Ist die Oberfläche gut befeuchtet, bleibt die Sicht klar.

Der Tränenfilm als Schutzmantel

Die Tränenflüssigkeit verteilt sich mit jedem Lidschlag als hauchdünner Schutzfilm über die Augenoberfläche. Abgeleitet wird sie dann über feine Kanäle in Richtung Nase. Neben den grossen Tränendrüsen tragen auch kleine Drüsen in den Lidern zur Befeuchtung bei. Der Tränenfilm besteht aus drei fein abgestimmten Schichten:

  • Die äussere Fettschicht (Lipidschicht) stabilisiert den Tränenfilm und verhindert, dass die Flüssigkeit zu rasch verdunstet.
  • Die mittlere, wässrige Schicht befeuchtet das Auge, enthält Enzyme zur Keimabwehr und versorgt die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Hornhaut selbst ist nicht durchblutet, sondern wird aussen von der Tränenschicht mit Nährstoffen versorgt (und von innen durch das Kammerwasser).
  • Die innere Schleimschicht (Muzinschicht) sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit gleichmässig auf der Augenoberfläche haftet.

Wenn die Herbstluft zur Belastung wird

Im Alltag reagiert dieses Schutzschild-System laufend auf äussere Einflüsse. «Im Herbst und Winter trifft die trockene Heizungsluft in Innenräumen auf kühle Aussenluft mit weniger Luftfeuchtigkeit sowie auf Wind oder Zugluft. Das kann die Augen zusätzlich austrocknen», führt die DROPA Expertin aus. Beim Lesen oder bei der Bildschirmarbeit blinzeln wir zudem seltener, wodurch die Augenoberfläche schlechter befeuchtet wird. Mit zunehmendem Alter oder bei hormonellen Veränderungen – besonders in den Wechseljahren – nimmt die Tränenproduktion häufig ab.

Typische Augen-Beschwerden

Die Symptome reichen von Brennen, Kratzen und Fremdkörpergefühl über gerötete oder müde Augen bis zu Lichtempfindlichkeit. Paradoxerweise können gerade stark tränende Augen ein typisches Symptom für «trockene Augen» sein. «Das ist eine Schutzreaktion», erklärt die Apothekerin. «Die schnell einschiessenden Tränen sind oft wässrig und gleichen die Trockenheit nicht lang anhaltend aus.»

Hilfe und Alltagstipps

In vielen Fällen helfen sogenannte künstliche Tränen. Tränenersatzprodukte in Form von Tropfen oder Gel befeuchten die Augenoberfläche und stabilisieren den Tränenfilm. «Je nach Ursache können unterschiedliche Augentropfen angewendet werden: mit oder ohne Lipide, mit oder ohne Konservierungsstoffe oder auch rezeptpflichtige, entzündungshemmende Produkte», räumt Fiona Koch ein. Ebenso gebe es pflanzliche oder homöopathische Augentropfen, die zur Linderung bei trockenen und leicht gereizten Augen eingesetzt werden. «Ich empfehle daher eine persönliche Beratung in der Drogerie oder Apotheke.»

Auch im Alltag lässt sich viel verbessern: Die Luft in Innenräumen befeuchten, Zugluft und Rauch vermeiden und bewusst häufigeres Blinzeln bei Bildschirmarbeit kann helfen. Kontaktlinsenträger*innen wird empfohlen, längere Tragepausen einzulegen. «Hilfreich ist zudem die Lidrandpflege mit speziellen sterilen Tüchern. Dabei werden die Lidränder oben und unten sanft massiert und gereinigt, damit die lipidproduzierenden Drüsen gut durchgängig sind», so die Expertin. Eine wärmende, wiederverwendbare Augenmaske hilft zusätzlich, die Drüsen zu öffnen und das Sekret zu verflüssigen.

Wann ärztlicher Rat wichtig ist

Ein Arztbesuch ist sinnvoll bei Anzeichen von Sehverlust, Sehstörungen, starken Schmerzen, starker Lichtempfindlichkeit und nach einer Verletzung des Auges. Auch wenn ein Fremdkörper nicht entfernt werden kann oder das Auge stark gerötet oder geschwollen ist. Beschwerden nach einer Augen-OP müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Augenfreundliche Ernährung

  • Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): enthalten in fettem Fisch (z.B. Lachs, Makrele, Hering), Leinsamen, Chiasamen, Walnüssen sowie in hochwertigem Algen-, Lein-, Hanf- und Sanddornöl. Sie unterstützen die Stabilität des Tränenfilms.
  • Vitamin A – das «Augenvitamin»: enthalten in Leber, Fisch, Eiern, Milchprodukten, Rüebli, Süsskartoffeln, Spinat und Grünkohl. Wichtig für Sehfunktion und Hornhaut.
  • Lutein und Zeaxanthin: enthalten in grünem Blattgemüse (Spinat, Grünkohl), Brokkoli, Mais und Eigelb. Sie schützen die Netzhaut vor oxidativem Stress und schädlichem Blaulicht.
  • Vitamin C: enthalten in Beeren, Zitrusfrüchten und Peperoni. Stärkt die Gefässe im Auge.
  • Vitamin E: enthalten in Nüssen, Samen und Pflanzenölen. Wirkt antioxidativ und schützt die Zellen.
  • B-Vitamine: enthalten in Hülsenfrüchten, Nüssen, Eiern, Milch- sowie Vollkornprodukten. Sie unterstützen Nervenfunktion und Stoffwechsel im Auge.

Als Hausmittel bei leichten Irritationen am Auge sind Kompressen mit reinem Schwarztee empfehlenswert, weil die Gerbstoffe leicht beruhigend wirken. Wichtig: Die Teebeutel nicht direkt auf die Augen legen, sondern ein Wattepad im abgekühlten Tee tränken und auflegen.